Allgemein, Alltag als Mama

Du machst zu viel, du machst zu wenig

Spagat. Konnte ich noch nie gut. Oder besser gesagt, das konnte ich noch nie annähernd ein bisschen. Ich schreibe aus meiner zweiten Elternzeit und was soll ich sagen: Ich mach zu viel, ich mach zu wenig. Ich mach es nicht perfekt und manchmal schäme ich mich. Der eine denkt das über mich der andere dies. Einer sagt: geh doch wieder arbeiten, der andere findet es gut, dass wir unsere Kinder bis zum 3. Lebensjahr selbst betreuen wollen. Und manchmal sitze ich abends auf dem Sofa, meine Beine tun weh von einem Tag voller Aktion mit zwei Kleinkinder und ich denke: heute habe ich aber auch wirklich gar nichts geschafft. Die Unzufriedenheit frisst sich durch meine Gedanken und wenn ich es an dieser Stelle nicht schaffe auszusteigen, bekommt der Tag einen grauen Schleier und war es nicht wert gelebt zu werden. Shame on me! Für diesen Gedanken, die Unwahrheit, der ich Platz in meinem Herzen schaffe, anstatt auf den zu hören, der doch sowieso weiß, dass alles seine Zeit hat. Unseren Kindern bringen wir bei Pausen zu machen. Mindestens einmal am Tag, schlafend oder ruhend, denn sie sollen das nachher besser können als wir.

Und wenn ich dann dasitze und nichts tue, werde ich schnell unruhig. Weil mir viel zu wichtig ist, was andere von mir denken und ich lieber unproduktiv aktiv bin als mich produktiv auszuruhen.

Was für ein Durcheinander. Wie finden wir das Maß? Und ich schreibe bewusst nicht das richtige, weil jeder von uns ein anderes Maß an Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit hat. Wann ist es genug und wann zu wenig? Für mich? Wer darf mir das sagen und wer nicht? Wo verschließen wir die Augen und wo schauen wir genau hin? Auch bei anderen? Kommt der Anspruch an uns selbst aus einer überzogenen Erwartung an unsere Mitmenschen? Weil wir es schon gut finden, wenn immer noch mehr geht in unserer Gemeinde und dem CVJM? Ich dachte die Zeit der Pandemie hat mich gelehrt abwechselnd zu ruhen und aktiv zu sein. Ab und zu war mir sogar langweilig. Aber jetzt geht wieder alles und ich habe auch Lust drauf. Leider höre ich oft nicht auf meine Intuition. Höre erst auf, wenn ich Magenschmerzen bekomme oder unruhig werde. Und das, obwohl ich eine Therapie gemacht, an meiner Selbstannahme und Selbstwahrnehmung gearbeitet und Menschen habe, die es mir sagen dürfen.

Hast du die auch? Ein oder zwei Menschen in deinem Leben, die dir ehrlich sagen dürfen, dass es einfach zu viel ist und die aber auch fragen dürfen, warum du dich gerade nicht engagierst und einbringst?

Ich glaube, dass es wirklich in beide Richtungen wichtig ist und habe oft erlebt, dass Menschen dann auch reagiert haben, wenn etwas angesprochen wurde. Zum Beispiel sich dann doch überlegt haben, wo sie ehrenamtlich tätig sein wollen oder eine Aufgabe abgegeben haben, weil sie endlich gemerkt haben, dass sie nicht mehr richtig sind an diesem Platz. Es geht darum, dass wir erkennen, was unser Maß ist und das dauert, manchmal tut es auch weh und es ist auch nicht immer leicht gut zu unterscheiden zwischen Egoismus und Selbstschutz, dienendem Ehrenamt oder Selbstdarstellung. Wir alle suchen nach Sinn und Bedeutung. Dem einen ist das klarer als der anderen. Und wir sind unser Leben lang auf dem Weg – das ist Tatsache. Und wenn wir uns diesen Tatsachen stellen, werden wir ein Leben leben, welches durch unterschiedlich intensive Phasen geprägt ist.

Meine Empfehlungen zu diesem Thema für dich: Know your Season – ein Buch von Ronja Asselmann und das Lied „Perfekt“ von Jonnes.

Diesen Artikel habe ich für die Streiflichter des CVJM Baden geschrieben. Erschienen im Juni 2022.

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