Allgemein, Glaube im Alltag, Visionen

Kirche neu denken

Seit Jahren, sogar seit Jahrzehnten macht sich die Kirche Gedanken, wie sie gute Angebote für die Menschen schaffen kann. Nicht nur für die, die sie schon kennen, sondern auch für die, die bisher noch keinen Zugang gefunden haben. Vieles gelingt, doch es bleiben viele Angebote unbesucht, Kirchen werden leerer.

Die große Frage ist: Warten wir bis die Menschen kommen oder machen wir uns auf den Weg zu ihnen und hören auf zu warten?

In den letzten drei Tagen war ich auf der Jahrestagung der Diakone in Baden. Natürlich online. Das war ganz schön gut, aber auch anstrengend. Emotional und durch die physische Entfernung zu den Kollegen. Es ging um neue Formen in der Kirche. Es gab Vorträge von Erik Flügge und Daniela Mailänder. Sie haben uns ermutigt Neues zu wagen und gleichzeitig Altes zu lassen. Die Meinungen dazu waren sehr vielfältig und so vielfältig ist unsere Kirche und die Menschen die in ihr arbeiten.

Ich habe mich in den letzten Tagen sehr daran erinnert, warum wir in unsere Lebensgemeinschaft gezogen sind. Die Idee entstand schon vor meiner Pionierweiterbildung, wurde aber in ihr gefestigt und durch sie auch angetrieben. Ich wurde mutiger. Habe beschlossen, dass ich mich nicht diesem Gefühl hin geben möchte, dass die Kirche immer kleiner wird und es irgendwie nicht mehr weiter geht wie wir es kennen.

Wie soll es auch so weitergehen? Die Welt verändert sich doch auch stetig weiter und wir sind da mitten drin.

Sonntagsgottesdienste kommen nicht mehr überall so gut an. Ich bin dankbar in einer Gemeinde arbeiten zu dürfen, in der es diese sonntägliche Gemeinschaft noch gibt und die das Zentrum unserer Gemeinde darstellt. Aber ich sehe auch an vielen Stellen, dass wir altes lassen müssen, um uns den neuen Gegebenheiten anzupassen. Einer sich ständig verändernden Gesellschaft.

Wir hatten große Pläne, als wir letztes Jahr unsere Lebensgemeinschaft in der Innenstadt bezogen haben. Geplant waren Konzerte auf der Terrasse, Hauskreise, Gemeinschaft, mal sehen was die Menschen um uns herum so brauchen und worauf sie Bock haben. Es kam ganz anders. Wir wurden zurück geworfen auf unsere engsten Freunde und unsere Familie.

Im Nachhinein glaube ich, dass es genau das war was wir gebracht haben. Wir konnten hier ankommen, unser Zuhause bauen und unsere Tür in schwierigen Zeiten öffnen. Für Menschen die wir schon lange kennen oder gerade erst kennen gelernt haben. Gott führt uns langsamer als ich dachte. Aber wir sind bereit. Es ist anders, aber wir sind ja jetzt hier.

Darüber haben wir auch viel gesprochen auf der Tagung. Bin ich bereit mich auch persönlich in meinen Dienst ganz rein zu geben, Freundschaften zu schließen, meine Tür zu öffnen, oder distanziere ich mich von meiner „Arbeitsstelle“.

Manchmal hätte es mir sicher gut getan mich mehr zu distanzieren, aber ich habe gelernt wie ich mich auf gesunde Weise den Menschen mit denen ich arbeite öffnen kann und trotzdem gut für mich sorgen kann. Vielleicht brauche ich diese Zeit gerade, um das noch zu festigen.

Kirche neu denken fängt bei mir an. Es gibt Strukturen und Organisationen die fest sind und vielleicht manchmal so scheinen als würden sie mich behindern, aber die eigentliche Entscheidung kann ich treffen. Will ich etwas verändern oder gebe ich mich zufrieden, dass die Kirche immer leerer wird.

Ich glaube nicht, dass Kirche an ein Gebäude gebunden ist. Ich glaube nicht, dass wir uns keine neuen Formen ausdenken können und ich glaube nicht, dass wir uns zurückziehen sollen.

Jesus sagte ja schon zu seinen Jüngern, dass sie zu den Menschen gehen sollen und nicht darauf warten, bis die Menschen zu ihnen kommen. Er hat es damals schon gewusst. Wir können es heute noch anwenden.

Ich arbeite jetzt noch drei Monate vor dem Mutterschutz und spüre in mir gerade eine große Freiheit, weil ich dann erstmal Zeit habe mir meine eigenen Gedanken zu machen, wo ich gerne mehr wirken möchte. Ich freue mich Zeit zu haben die Menschen, die hier in der Nachbarschaft leben wirklich kennen zu lernen, Zeit zu haben für Gespräche und Beobachtungen in unserem Stadtteil. Ich habe Lust ehrenamtlich zu arbeiten und nicht mit einem festen Dienstplan. Und wer weiß was sich da ergibt.

Wir haben so viele Möglichkeiten und Chancen eine Kirche zu verändern, die schon so viele Jahre wirkt und nah bei den Menschen ist. Von der wir viel gelernt haben und deren Erfahrungen wir jetzt neu deuten können. Let’s do it. Lasst uns mutig sein.

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