Glaube im Alltag, Tiefgang

Gewohnheiten fasten – Predigt vom 21.02.2021

Ich hoffe, dass die meisten von euch letzte Woche da waren und die Einführung von Andreas gehört haben. Falls nicht, habe ich seine Predigt auch noch einmal ausgedruckt dabei und ihr könnt sie euch später mitnehmen. Er hat darüber gesprochen, dass sich die Kultur des Fastens sehr verändert hat und das vor allem daran liegt, dass unsere Gesellschaft, also wir, immer mehr dazu tendieren nach dem Lustprinzip zu leben. „Was tut mir gut.“ Ist die Frage. Das Fasten ist zu einem Wellnessprodukt geworden, nach dem Motto: Ich lasse jetzt mal 40 Tage das weg, was mir nicht guttut und wovon ich mich vielleicht befreien möchte. Viel zu selten fasten wir, um Gott wieder nahe zu kommen und ihm wirklich auch Raum in unserem Leben zu geben. Heute soll es um Zeitfresser gehen die uns quasi gar nicht die Möglichkeit geben mit Gott in Berührung zu kommen, weil sie uns ganz praktisch davon abhalten. Gewohnheiten. Wir haben sie alle, das können wir nicht leugnen, aber viele haben sich sehr schleichend in unserem Alltag etabliert. Umso schwerer ist es, ihnen auf den Grund zu kommen und uns bewusst darüber zu werden, dass sie uns eventuell auch schaden können. Vorwegnehmen möchte ich noch, dass es natürlich auch gute Gewohnheiten gibt, diese haben wir meist bewusst eingeübt und führen sie auch bewusst immer weiter fort. Es sind die eher schlechten, um die es heute gehen soll und ich möchte euch ganz konkrete Tipps geben, wie ihr auf sie verzichten oder sie sogar zu einer guten Gewohnheit verändern könnt.

Zuerst möchte ich mit euch in die Bibel schauen. Denn, wie letzte Woche auch schon, ist Jesus beim Fasten ein gutes Vorbild und bei den Gewohnheiten ist es ebenso.

Markus 1,35: Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.

Lukas 5,16: Er aber entwich in die Einöde und betete.

Matthäus 14,23: Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er auf einen Berg, um für sich zu sein und zu beten. Und am Abend war er dort allein.

In allen Situationen könnte man sagen, dass es vielleicht etwas stressig war bei Jesus und den Jüngern. Viele Menschen folgten ihnen, wollten Jesus sprechen, ihn berühren, doch er wich nicht von seiner Gewohnheit ab und ging regelmäßig beten. Zog sich ganz bewusst alleine zurück um seine Ruhe zu haben. Ihm war bewusst, dass er diese Beziehung zu Gott für nichts in der Welt vernachlässigen möchte. Seinen Dienst an der Menschheit konnte er auch danach noch tun, die Beziehung zu Gott, steht aber an erster Stelle.

Ich möchte heute ganz ehrlich mit euch sein und eine meiner schlechtesten Gewohnheiten mit euch teilen. Ich arbeite schon eine Weile daran, aber es ist wirklich ein rotes Tuch in meinem Leben. Es hängt mit meinem Smartphone zusammen. Leider ist es mein ständiger Begleiter und selbst morgens, bevor ich am Frühstückstisch sitze und meine Bibellese mache, habe ich es in der Hand und checke meine Nachrichten. Das eigentlich Schlimme daran: Ich spüre, dass mir das absolut nicht guttut. Es macht mich unruhig, stresst mich und lässt mich schon früh am Morgen nicht frei und offen sein für Gottes Wort, weil ich mich zuvor mit Whatsappnachrichten, E-Mails und Instagramstories gefüllt habe. Ich will das nicht. Aber ich komme nicht los davon. Ich habe von einer Theorie gehört, dass man Dinge, die man 20 Mal wiederholt hat, zu einer Gewohnheit entwickeln kann. Das ist mir tatsächlich bei manchen Dingen gelungen, zum Beispiel bei der Umstellung auf festes Shampoo oder nur noch mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Aber beim Handy da hängt es irgendwie fest in mir, da bin ich unverbesserlich…scheint mir zumindest so. Da kommt die Fastenzeit gerade recht und ich versuche es erneut. Das Handy bleibt aus, bis nach dem Frühstück…mindestens. Drückt mir die Daumen. Ich will Zeit haben für Gottes Wort, will Raum in meinem Herzen haben, dass es da auch hinfallen kann und sich ausbreiten und ich dadurch gefüllt und gestärkt und in Verbindung zu ihm in den Tag starten kann und nicht mit der Angst, ob uns jetzt tatsächlich die dritte Welle bevorsteht…das hat auch noch mittags Zeit sich in meinen Gedanken auszubreiten, nur bin ich dann schon den halben Tag anders unterwegs und es kann mich nicht umhauen.

Es ist eine Frage meines Fokus. Worauf lege ich ihn, was will ich mit meinen Gewohnheiten stärker in den Fokus nehmen und welche Gewohnheiten halten mich eher davon ab, dass das gelingen kann.

Während der Fastenzeit ist die Antwort klar für mich, die Verbindung zu Gott soll im Fokus stehen. Sie soll gefestigt und gepflegt werden. Deshalb ist es vielleicht auch die Zeit neue Gewohnheiten zu etablieren und nicht nur die Schlechten zu fasten, wie ich mein Smartphone für bestimmte Zeiten am Tag.

Mir fällt es immer leichter, wenn ich mit anderen über meine schlechten Gewohnheiten spreche und jemanden in meine Pläne einweihe. Meinen Mann zum Beispiel oder meine engsten Freundinnen. Dann können die mich wiederum erinnern oder mal nachfragen wie es denn gerade so läuft. Ich habe erst am Freitag angefangen, bisher funktioniert es gut. Ihr könnt mich ja in zwei Wochen nochmal fragen.

Ihr werdet jetzt jede Woche nach dem Gottesdienst einen Flyer bekommen, der euch die Chance geben soll euch mit dem Thema der Predigt noch einmal näher zu befassen, vielleicht auch im Hauskreis oder einer Zweierschaft darüber zu sprechen. Ich möchte die Schritte für heute mit euch durchgehen:

  1. Identifiziere eine schlechte Gewohnheit.

Um herauszufinden welche schlechte Gewohnheit ihr fasten wollt, müsst ihr erst einmal herausfinden was eine schlechte Gewohnheit ist. Vielleicht seid ihr selbst sehr reflektiert, dann dürfte es euch nicht sehr schwer fallen, oder ihr fragt eine nahestehende Person, was sie euch raten würde zu fasten, damit ihr mehr Zeit für eure Beziehung zu Gott habt.

2. Verzichte auf diese schlechte Gewohnheit.

Mache dir zum Ziel mindestens eine Woche auf diese schlechte Gewohnheit zu verzichten und beobachte wie es dir geht. Was sich vielleicht in deinem Alltag, deinen Beziehungen zu Mitmenschen und deiner Beziehung zu Gott ändert.

3. Ersetze sie mit einer guten Gewohnheit, die du etablieren möchtest.

Am schönsten wäre es natürlich, wenn du die schlechte Gewohnheit direkt durch eine Gute ersetzt und somit gar nicht „rückfällig“ werden kannst. Werde dir bewusst darüber, was du gerne einüben möchtest und…

4. Wiederhole die neue, gute Gewohnheit mindestens 20 Mal.

Ja ich weiß, dass sind wahrscheinlich zwanzig Tage und nicht nur eine Woche. Aber manchmal braucht es eben auch ein bisschen Arbeit, wenn wir wirklich etwas verändern wollen.

5. Setze bewusst Zeit mit Gott ein. Denn darum geht es in der Fastenzeit.

Egal ob Bibellesen, Stille Zeit, Lobpreis, Gebet, Gespräche mit Freunden über Gott. Lass ihn rein, in deinen Alltag, in deine Gedanken, in deine Gewohnheiten.

Viele Dinge haben wir nicht in der Hand, können sie nicht steuern. Unsere Gewohnheiten aber schon. Wir können uns entscheiden, welche wir wirklich in unserem Leben haben möchten und dann etwas dafür tun. Veränderung ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich. Ich merke schon nach zwei Tagen Fasten meiner schlechten Gewohnheit wie ich mich besser fühle und sogar zwei Minuten länger über den Bibeltext nachgedacht habe. Kleine Schritte zum Erfolg. Kleine Schritte näher zu meinem Gott, den ich einladen will, in meinen Gewohnheiten, aber vor allem in meinem Leben seinen Platz zu finden.

Amen

PS: Falls ihr die Predigt meines Kollegen auch gerne lesen wollt, meldet euch gerne bei mir.

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