Glaube im Alltag

Normalität

Ich vermisse dich. Jeden Tag ein bisschen, aber so langsam ist es fast schon wieder normal, wie es eben gerade ist und ich frage mich, wie wird es wenn es wieder anders wird?

Aber eigentlich frage ich mich im Moment gar nicht so viel, es bringt ja nichts. Die Ungewissheit hat uns im Griff und auch wenn es an der ein oder anderen Stelle so scheint, als würde die Normalität zurück kehren, tut sie es doch nicht so wirklich.

Und dann denke ich, was ist schon normal? Etwa der Konsumwahnsinn und die überall lauernde Überforderung, die wir seit Jahren als tolles Leben feiern? Der Egoismus und das Bestehen auf die eigenen Rechte, wenn anderswo Menschenrechte aufs übelste mit Füßen getreten werden? Ungerechtigkeit, Chancenungleichheit, Rassismus, Habgier, Neid, Betrug, Egoismus. Ist das normal? Wenn das wirklich unsere Normalität ist, dann will ich sie eigentlich gar nicht zurück. Dann will ich lieber, dass sich jetzt etwas ändert und ich mir gut überlege, was ich mir tatsächlich zurück wünsche.

Nähe zu meinen liebsten Menschen. Gemeinschaft im Glauben. Musik machen. Umarmungen. Gäste haben. Nähe zu den Menschen bei der Arbeit. Geben, wovon ich im Überfluss habe. Meine Familie treffen wann immer ich will. Das wünsche ich mir zurück. Was wünschst du dir zurück? Kannst du es definieren? Oder ist es ein wabernder Gedanke, den du nicht richtig zu fassen bekommst? Spürst du in einem Bereich Befreiung? Bist du vielleicht von etwas los gekommen, was dich vor dem Shutdowm gefangen hielt?

Ich möchte diese Zeit nicht verherrlichen, doch ich denke, wir können sie nutzen. Mach dir bewusst, was du tatsächlich vermisst und warum. Überlege dir, wovon du dich, auch ohne verordnete Einschränkungen distanzieren möchtest. Du hast es in der Hand etwas an deinem Leben zu ändern und bevor du wieder in den Alltag geschmissen wirst, bedenke doch, was es zu ändern gibt. Hast du neue Gewohnheiten? Merkst du vielleicht Wesensänderungen an dir, die dir gut gefallen? Bist du achtsamer und insgesamt geduldiger mit dir und den Zielen deines Lebens?

Normalität ist nicht das, wonach wir uns wirklich sehnen, sondern danach den Sinn zu kennen, der uns durchs Leben trägt. Etwas beizutragen zum großen Ganzen und mir doch meiner Unvollständigkeit bewusst zu sein. Mich auf meinen Gott zu verlassen, der den Überblick behält wenn ich unruhig, panisch und angsterfüllt bin.

Normalität ist nur der Schein der Sicherheit, in der wir uns bis vor Kurzem bewegt haben. Doch vielleicht ist es gerade jetzt dran dein Fundament auf eine neue, tragende Basis zu bauen. Dann kann auch die nächste Krise dich nicht so leicht umwerfen. Denn es wird wieder eine kommen, vielleicht nicht so eine wie gerade, doch es wird immer wieder Krisen in deinem Leben geben. Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand, gut wenn wir das auch in den guten Zeiten bedenken und glauben.

Ich glaube diese Zeit ist dafür da, dass wir das Beste aus ihr machen und uns neu ausrichten. Auf das was wirklich zählt im Leben und das, wonach wir uns wirklich sehen. Und vielleicht auch auf das, was nicht wirklich sein muss und wir getrost sagen können, das mache ich nicht mehr so, wenn alles wieder „normal“ wird.

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