Alltag als Mama, Glaube im Alltag

Quarantine vibes

Die Sonne scheint durchs Fenster. Ich liege zwischen beiden Kindern im Bett. Wir ruhen, schlafen, quengeln, stillen.

Jetzt also doch. Nach zwei Jahren kommen wir auch noch in den Genuss der Quarantäne. Ich hätte es ehrlich gesagt nicht gebraucht. Mein Respekt vor allen, die da schon durch sind, war vor unserer Quarantäne genauso ausgeprägt wie jetzt. Jetzt könnte ich die ganzen Instatipps ausprobieren und so. Aber mir fehlt ehrlich gesagt die Energie. Bis gestern wars noch ok. Aber jetzt sind beide Kinder malade. Gesunden im Schlaf, aber wehe Mama geht kurz zur Wäsche oder in die Küche. Also lass ich jetzt einfach alles stehen und liegen. Vor allem mich lass ich liegen.

Wir schreiben eine Liste mit all den Dingen, die wir nach der Quarantäne unbedingt machen wollen. Ganz oben: auf den Spielplatz gehen und Eis essen. Äh ja, mehr brauchen wir gar nicht grad. Besuch wäre schön, sicherlich, wenns wieder geht.

Was sind wir doch alle verwöhnt.

Ich faste gerade ein bisschen die Nachrichten, aber in meinem Kopf war schon der Gedanke: Jasmin, raff dich, es gibt sicherlich gerade einige ukrainische Familien bei denen ist Covid auch da, aber lange nicht ihr Hauptproblem. Wie armselig, dass es mir besser geht, wenn ich weiß, es geht anderen schlechter. Oder menschlich? Mein Sarkasmus ist jedenfalls gewachsen in den letzten 72 Stunden. Vielleicht lässt sich damit auch was machen. Ich glaube, da ist auch noch keiner drauf gekommen damit Geld zu verdienen.

Ich bin sehr dankbar. Um unsere Terrasse. Unsere Waschmaschine. Unser Bett!!! Hörbücher. Freunde und Familie und die Entscheidung in einer Lebensgemeinschaft zu leben. Geteiltes Leid ist trotzdem blöd, aber immerhin räumt noch jemand die Spülmaschine aus.

Ich hatte heute tatsächlich schon eine Gitarre in der Hand. Nachdem ich meinen Sohn im Arm gewogen habe, der sich sichtlich schwer tut mit diesem fiesen Virus und der Angst, dass Mama jetzt Abstand hält. Wie könnte ich. Eine liebe Freundin meinte gestern: Gott mutet dir nur zu, was du auch tragen kannst. Zwei Kinder und ein Tablett mit Essen für den Liebsten. Stand gestern. Heute hat er nur noch einen Teller bekommen.

Jedenfalls war ja gestern dieser Weltfrauentag – hab keine Blumen bekommen – kauf ich mir selber. Viele andere Dinge, die so in Social Media diskutiert wurden finde ich gut und richtig, vorallem nachdem ich kürzlich von einer Dame von diesem Gewerkschaftsdingens mit V auf der Straße mit: „Na haben wir da eine Vollzeitmami?“ begrüßt wurde. Erste Frage: Woran bitte sieht man das? An den zwei Kindern die ich dabei hab? Wow! Zweite Frage: Kann man auch Teilzeitmama sein? Ich kenn nämlich keine. Es gibt Elternsein nicht in Teilzeit. Man ist es oder nicht. Jede Familie hat ein anderes Unterstützungssystem, andere Berufe, Arbeitszeiten und Prioritäten. Ich kenne niemanden, der sich als Teilzeitmama bezeichnen würde. Sie hat mir trotzdem einen schönen Tag gewünscht. Dankeschön. Ihnen auch. (Die hier zu lesende Schlagfertigkeit blieb mir, mal wieder, im Hals stecken. Ich nuschelte nur etwas von „das ist ja eine tolle Ansprache, da bekommt man richtig Lust auf ein Gespräch mit Ihnen“ und lief kopfschüttelnd weiter – bin nicht stolz drauf – aber es ist die Wahrheit).

Ihr merkt, ich hab trotz kranker Familie Zeit zu denken. Nämlich dann, wenn Sternchen auf mir einschläft und mein Buch zwei Armlängen weit weg liegt oder wir beim Abendessen ein Hörspiel hören. Quarantäne ist für Ausnahmen da.

Die Sonne scheint. Ich bin müde, dankbar und vorsichtig optimistisch. Das Fieber sinkt. Der Appetit kehrt zurück und Zucker schmeckt in der Fastenzeit noch leckerer.

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