Alltag als Mama, Glaube im Alltag

Wochenbett

„Wir haben euch was vor die Tür gestellt, meldet euch, wenn wir etwas tun können.“

Wer solche Freunde hat, kann sich im Wochenbett wirklich ausruhen und entspannt zurück lehnen. Ich bin so dankbar für diese kleinen Momente des Kontaktes zur Außenwelt. Denn wir sind gerade ja schon ein bisschen in unserer Blase und so soll das auch sein. Wir bekommen viel Unterstützung, Essen wird gebracht, Freunde und Familie gehen für uns einkaufen, wenn was fehlt, die Mitbewohner räumen den Tisch ab, wenn wir nach dem ins Bett bringen nicht mehr aufstehen können.

Heilen, lernen, erinnern, zu Kräften kommen, Vertrauen knüpfen, Beziehung bauen. Staunen.

Das Heilen spielt eine große Rolle im Wochenbett. Für mich und Sternchen war die Geburt kein Spaziergang. Das Sprichwort: „Das war eine Geburt.“ – kann man erst dann nachvollziehen, wenn man verstanden oder erlebt hat, was es bedeutet ein Kind auf die Welt zu bringen. Im Grunde reicht es sich eine Tierdoku mit einer Geburt anzuschauen. Es funktioniert ähnlich, ist nur krasser für uns Menschen.

Körperlich geht es mir erstaunlich gut. Ich kann gut laufen, mit Knöpfchen toben, in der Küche stehen, auf dem Sofa sitzen. Das heißt aber nicht, dass alles easy ist. Ich habe häufig Kopfschmerzen, Schlafmangel, vergesse Wörter und stehe teilweise etwas neben mir. Sternchen träumt viel, schläft tagsüber und macht nachts gern ne kleine Party. Mit uns als Gästen versteht sich. Knöpfchen schleicht sich jede Nacht zu uns ins Bett, bestaunt seine Schwester, gibt ihr Küsschen, berührt ihre kleinen süßen Hände.

Tagsüber legt er sich auch oft dazu, wenn ich Sternchen stille. Ich habe ihm vor der Geburt einen Korb mit Büchern und besonderen Sachen gepackt, den er sich dann immer holen darf. Ich habe darauf geachtet, dass es Dinge sind, die ihn länger beschäftigen: ein Stickerheft, eine Zaubertafel, ein Jojo, ein Geschicklichkeitsspiel, ein Memory und Bücher. Vorlesen klappt meistens gut beim Stillen. Knöpfchen ist gerade wirklich sehr geduldig, aber es gibt natürlich auch Momente, da wird ihm alles zu viel. Er wird laut, sucht Aufmerksamkeit und erkennt, dass seine Schwester, seit sie auf der Welt ist, auch ganz viel von Mama und Papa braucht und selbstverständlich auch bekommt. Wir besprechen in Ruhe was passiert und Knöpfchen lernt mitzuteilen, was er sich wünscht. Wir lernen genau hinzuhören und ihn mit seinen Bedürfnissen als Bruder neu wahrzunehmen. Das gelingt nicht immer, es fließen Tränen, es gibt Enttäuschungen und Wut. Auch zwischen meinem Mann und mir. Wir sind auf dem Weg, zu viert einen Alltag zu gestalten und dafür, dass wir erst seit Montag zusammen sind, klappt es finde ich schon sehr gut.

Der Schlüssel liegt wie so oft in der Kommunikation. Zeit nehmen, hinsetzen, reden. Nichts ist gerade wichtiger als unsere Gefühle, Wahrnehmungen und Bedürfnisse. Das miteinander zu teilen ist bereichernd und schafft eine ganz neue Nähe. Auch wenn es manchmal weh tut, ist es wichtig, dass mein Mann mich auf meine unbedacht gewählten Worte hinweist und ich die Chance bekomme, es besser zu machen.

Es gibt diese Momente, da packt es mich. Ich fange an zu weinen. Bin unendlich dankbar und überwältigt von diesem kleinen Wunder. Gleichzeitig frage ich mich, wie ich das eigentlich hinbekommen soll. Zwei Kinder begleiten, versorgen, ermutigen, befähigen und lieben. Kann ich das?

Dann bete ich. Rede mit meinem Vater im Himmel und bespreche mit ihm was gerade alles passiert und was gut läuft. Ich gebe ihm meine Selbstzweifel und meine Ängste. Spüre, wie er sie nimmt, sie trägt und mich erfüllt mit dieser Gewissheit, die ich nur durch ihn erfahre: „Ich gebe dir nur das, was du tragen kannst.“

Beim Mittagessen danken wir für unsere Kinder. Für das Wunder der Geburt und die Bewahrung. Knöpfchen sagt laut und deutlich: „Amen“ und ich werde ruhig. Ich kann das.

Wir feiern all die ersten Male. Volle Windeln, ein sattes Sternchen, den ersten Spaziergang und Sternchens Lächeln beim Schlafen.

Das langsame Kennenlernen von unseren liebsten Menschen ist uns sehr wichtig. Wir dosieren sehr sachte. Jeden Tag maximal eine neue Person und wenn die Hebamme da ist, reicht das auch für den Tag. Denn wir haben ja alle Zeit und Stress ist das Letzte, was im Wochenbett Platz hat. Sternchen schläft einfach, wenn zuviele Menschen um sie herum sind. Das ist ein gutes Zeichen für uns, dass es dann auch genug ist.

Ich bin froh, dass wir die Erfahrungen aus dem ersten Wochenbett mit Knöpfchen haben und manche Dinge jetzt anders machen können. Wir wissen dieses Mal besser, dass wir unsere Kräfte einteilen müssen und nach einem vollgestopften Tag immer eine Nacht kommt, die man schon nach einem entspannten Tag kaum schafft. Es ist gerade nicht die Zeit für Termine, Verabredungen oder Druck. Sondern für leere Kalender und einen gut gefüllten Kühlschrank. Für Unterstützung beim ins Bett bringen von Knöpfchen, wenn mein Mann arbeiten muss und ich Sternchen versorge.

Wochenbett heißt Hilfe annehmen und ohne schlechtes Gewissen hinlegen, wenn alle anderen was zu tun haben. Schlafen, wenn das Baby schläft. Füße hoch legen, auch wenn ich mich fit fühle. Denn Nachwehen, das weiß ich jetzt, tun echt weh und es ist am besten keine Beobachter zu haben, wenn man starke Schmerzen hat.

Wir bekommen viele schöne Geschenke für Sternchen. Auch Knöpfchen wird nicht vergessen und freut sich jedes Mal über ein neues Buch oder Kekse. Aber er freut sich auch an den Dingen die Sternchen bekommt. Als Mama werde ich auch sehr gewürdigt. Mit Blumen, Schokolade, Duschgel etc. Und für meinen Mann gab’s auch schon was.

Für diese Woche gibt es einigen Papierkram zu erledigen. Ein Konto anzulegen und verschiedene organisatorische Dinge zu besprechen. Und wenn wir es diese Woche nicht schaffen, dann eben nächste Woche. Denn Sternchen ist erst eine Woche alt und wir sind im Wochenbett und ihr wisst ja jetzt was das bedeutet.

Viele Grüße aus unserer Höhle.

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