Allgemein, Glaube im Alltag

Machst du mal ein Foto?

Ich sage diesen Satz nicht häufig und wenn dann eigentlich auch nur zu meinem Mann. Sonst trau‘ ich mich nicht so richtig. Denn meistens gefalle ich mir nicht so gut auf Fotos. Heute war ein so guter Tag. Ich war ganz tief drinnen sehr sehr glücklich und einfach froh mit meiner Familie Zeit zu haben. Keine Termine. Kein Zwang, nur das was uns gefällt. Spazieren, Eisenbähnle fahren, leckere Essen, Gottesdienst, singen.

Und dann hatten wir auch noch Glück auf unserem Nachmittagsspaziergang im Schlosspark und durften zu diesem schönen Häuschen. Normal ist der Zugang versperrt. Da war dann der Moment: „Machst du mal ein Foto?“ und was soll ich sagen. Die „gestellten“ sind alle genau das. Gestellt. Inszeniert. Zeigen nicht die Jasmin, die ich bin. Nur dieses eine Foto gefällt mir. Als ich dachte, es wird heute eh nichts mehr mit einem akzeptablen Foto und locker gelassen habe. Bei den anderen vorher meinte mein Mann immer wieder, ich soll den Rücken gerade machen. Er hat ja recht. Meint es nur gut. Liebt mich halt. Aber es zeigt schon mein Unwohlsein. Meine Verspanntheit, wenn der Fokus auf mir liegt und ich es weiß.

Manchmal wünschte ich, dass Menschen einfach Fotos machen von schönen Momenten und habe dabei die leise Hoffnung, dass dann mal ein guter Schnappschuss von mir dabei ist. Es gibt ein paar Fotos dieser Art und ich kann mich ganz genau erinnern wer sie aufgenommen hat und welchen Moment wir da gerade geteilt haben. Vielleicht suche ich mal ein paar davon zusammen und zeige sie euch. Vielleicht auch nicht.

Jedenfalls frage ich mich schon häufig, warum ich selbst mein größter Kritiker bin. Zu lange Haare, zu viel Gewicht, zu ungeschminkt, zu durcheinander. Warum? Ich bin gut so wie ich bin. Gott hat mir von allem gegeben. Von manchem reichlich, von anderem genug. Die Mischung ist sehr in Ordnung und ich darf mich selbst schön finden. Ob ich dazu Fotos brauche die das widerspiegeln? Ja, manchmal schon. Manchmal möchte ich sehen ob mein Äußeres mein Inneres spiegelt. Will mich dran erinnern los zu lassen, zu lächeln, verträumt in die Weite zu schauen. Nicht für das schöne Motiv, sondern dafür, dass meine Wahrnehmung in Einklang kommt und ich authentisch durchs Leben gehe. Ich möchte zu den Bildern und Erinnerungen in meinem Herzen auch Fotos für das Jahresalbum für Knöpfchen und um sie Verwandten und Freunden zu zeigen.

Seit einer kleinen Weile bin ich jetzt auch bei Instagram unterwegs und sehe dort jeden Tag sehr viele Fotos. Schöne Fotos von schönen Menschen. Es ist ein absoluter Mehrwert solche schönen Dinge miteinander teilen zu können. Doch ich bin auch oft im Zwiespalt. Wieviel möchte ich zeigen? Geht es nicht eher um meine Gedanken und Texte? Zeige ich meine Familie? Nein, ich zeige sie nicht. Ich merke schon, dass ich für Bilder auf denen nur Knöpfchens Hinterkopf zu sehen ist oder seine Füße, mehr Likes bekomme. Die Versuchung ist da. Doch mein Sohn ist noch lange nicht in der Lage abschätzen zu können ob er das möchte und solange ich und mein Mann die Entscheidungen für ihn treffen bleiben Fotos von ihm nur bei uns. Im Fotoalbum, im Bilderrahmen und in Emails. Ich möchte mit meinen Worten und Gedanken Schönes in die Welt geben. Möchte Gottes Wirken in meinem Leben, meinem Beruf, meiner Familie und allem um uns herum deutlich machen und ein schönes Bild kann diese Gedanken untermalen. Doch soll es nie der einzige Grund sein etwas zu posten.

Ich sehe auch sehr gerne Fotos von glücklichen Kindern und Familien. Aber ich wünsche mir, dass alle Eltern, zumindest die, die das hier gerade lesen, sich nochmal Gedanken machen, ob es wirklich notwendig ist Bilder der eigenen Kinder in den sozialen Medien zu posten. Das Leben hat noch so viel mehr zu bieten als die Reaktionen auf Fotos bei Instagram, Facebook oder sonst wo. Zum Beispiel im real life bei Spaziergängen oder im Supermarkt. Ich werde ständig angesprochen, wenn ich mit Knöpfchen unterwegs bin und mein Mutterherz explodiert regelmäßig vor Stolz und Liebe zu meinem Kind und ich staune über seine Wirkung auf Menschen. Das kann kein Post bei Instagram. Das ist nicht das Gleiche.

Probiert es aus. Macht die Fotos nur für euch. Und wartet, bis eure Kinder selbst entscheiden können, was die Welt über sie wissen soll. Die Bewertung beginnt früh genug, wir wissen alle wie sich das anfühlt und ich glaube für Kinder reicht es völlig, wenn sie von ihren Eltern und engsten Freunden und Verwandten hören, dass sie schön sind. Ich weiß, das ist eine Menge Text für heute Abend. Aber es wurde Zeit, dass ich diese Gedanken mal aufschreibe und mit euch teile. Gerne könnt ihr mir dazu eure Gedanken schicken. Ich freue mich immer über einen gute Austausch.

3 Gedanken zu „Machst du mal ein Foto?“

  1. Deinen Gedanken, was die Kinderfotos betrifft, kann ich nur zustimmen. Schnappschüsse von mir selbst betrachte ich auch sehr kritisch; meistens finde ich sie doof, selten gefällt mir eins. Manche Menschen sind ja sehr fotogen, ich bin es leider nicht.
    Liebe Grüße
    Rosa

    Gefällt mir

    1. Ja solche Menschen kenne ich auch. Da sieht jedes Bild wunderbar aus. Gibt es ein paar Bilder auf denen du dir gefällst? Und gibt es welche von denen Menschen, die dir nahe stehen sagen, dass du darauf schön aussiehst? Kannst du ihnen das dann glauben? Das sind so Fragen die ich mir stelle und die mir helfen mehr Bilder von mir schön sein zu finden. Gott findet dich auf jeden Fall wunderschön. Er hat dich wunderbar gemacht. Das glaube ich. Liebe Grüße
      Jasmin

      Gefällt 1 Person

    2. Manchmal gefalle ich mir selbst, ja. Oder ich lasse mich überreden, das das eine oder andere Foto von mir gut ist.🙂
      Ob mich Gott wunderbar gemacht hat? Ich denke, es waren eher meine Eltern, die mir Positives, aber auch Negatives mit ins Leben gegeben haben.😉
      Liebe Grüße
      Rosa

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s