Glaube im Alltag

Wechselhaft

Der Herbst ist da. Mit all seinen Farben. Mit all seinen Gefühlen. Morgens ist es so kalt, dass man schon die warme Jacke braucht und mittags schwankt man zwischen T-Shirt und der Sehnsucht nach einem Eis.

Wechselhaft. Die Schule hat schon seit ein paar Wochen wieder begonnen und die nächsten Ferien stehen vor der Tür. Wir warten immer noch auf unseren Umzug in die neue Wohnung und auch hier schwanken wir zwischen Hoffnung und an manchen Tagen ist da auch Frust. Die Übergangswohnung wird immer kleiner, je größer die Kinder werden und je schlechter das Wetter. Das spüre ich in mir. An manchen Tagen hab ich da einfach keine Lust mehr drauf, auf diesen Kompromiss. Und gleichzeitig weiß ich, warum wir ihn eingegangen sind und dass ein Ende naht. Die Frage ist nur wann.

Gestern war ich mit Sternchen bei der Schuluntersuchung und an solchen Terminen merke ich immer wieder, wie schnell sie groß werden und wie begrenzt eigentlich die Zeit ist, wo sie uns so richtig brauchen. In meiner Fotogalerie sehe ich, das ich zunehmend Bilder von den beiden Mädels habe und Knöpfchen immer mehr allein um die Häuser zieht, Freunde besucht und sein Ding macht. Das ist schön, auf der einen Seite, auf der anderen vermisse ich ihn auch oft.

Es verändert sich vieles in diesem Herbst und ich will mir immer wieder die Jahreslosung von diesem Jahr vor Augen führen und daran denken, dass Gott verspricht – er macht alles neu. Nicht alles können wir schon erkennen, aber an verschiedenen Stellen keimt etwas neues auf, Farben wechseln sich und wir dürfen vertrauen, dass Gott uns führt. In unserer Familie, in der Initiative und jeden allein.

Es gibt Tage, da sehe ich das Ganze und an anderen nur den vollen Wäschekorb und frage mich, wo der jetzt schon wieder her kommt. An manchen Tagen sprühe ich vor Energie und an anderen frage ich mich, wie ich aus dem Bett kommen soll.

Die Predigt vom Sonntag begleitet mich noch in dieser Woche. Da ging es um unsere Seele und wie wichtig es ist, sie auch in der Beziehung zu unserem Gott zu sehen und ihr dort Raum zu geben. Auch in unserer Gottesbeziehung geht es nicht um Leistung. Es geht um Gefühl und Gnade und seine Liebe. Ich will in den nächsten Tagen besonders gnädig mit mir sein und mich immer wieder fragen, ob meine Seele gerade noch hinterher kommt. Im Tun vergesse ich das manchmal und wundere mich dann in der Nacht, dass ich unruhig und schlecht schlafe und denke an die aufgewühlten Seelen.

Und dann sind da diese kleinen Momente wie letzte Freitag. Beim Zumba habe ich diesen wunderschönen Falter entdeckt und mich an seiner Schönheit einfach gefreut. Die anderen Frauen fanden ihn teilweise eklig, aber irgendetwas hat mich an seiner Zartheit berührt und ich hab den ganzen Tag das Bild in mir herum getragen. Ich will mich berühren lassen von solchen Momenten, egal welche Gefühle sie in mir auslösen. Ich möchte Raum schaffen in meinem Leben, damit meine Seele hinterher kommt, auch wenn es manchmal scheinbar anstrengender ist, diese Gefühle zu erleben und zuzulassen. Sie sind Teil von mir und gehören dazu. Gut oder schlecht. Gott überrascht mich immer wieder mit seiner Gnade, seinem Trost und seiner Zuneigung und ich spüre das mehr, wenn ich mich nicht im Tun und Organisieren verlieren.

Am Wochenende habe ich mein Handy mal zwei Tage auf die Seite gelegt. Es gab Momente, da habe ich es doch kurz in die Hand genommen, aber es hat mich überrascht, wie viele Dinge ich auch anders regeln kann oder einfach auch lassen kann. Ich bin sehr initiativ und stoße ständig Prozesse an, aber im Moment merke ich, dass ich daran weniger Freude habe. Und das ist ok. Schule, Kindergarten, Tagesmutter, Verein, Gemeinde, Arbeit, Freundschaften…alles läuft mittlerweile über mein Handy und ich spüre, dass dieses ständige Tun und Überlegen mir im Alltag in die Quere kommt und ich da auch gnädiger mit mir sein darf was Antwortzeiten angeht. Vielleicht gibt es bei dir auch Bereich in deinem Leben, in dem deine Seele gerade ein wenig abgehängt ist. Vielleicht schickt Gott dir auch einen weißen Falter der sagt: Mach langsam.

Und jetzt gehe ich einen Spaziergang machen. Nicht, weil ich hier nichts zu tun habe. Sondern damit meine Seele genug Raum hat in meinem Leben.

Ganz viel Segen zu Dir!

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