Alltag als Mama, Glaube im Alltag

Feiern

Ich war schon ewig auf keiner Party mehr. Gestern wars so weit. Bisschen aufgeregt, weil ich befürchtet habe mich nicht mehr zu erinnern wie man Smalltalk betreibt und man sich insgesamt so auf einer Party verhält, sind wir mit Sternchen als erste Gäste angekommen. Knöpfchen durfte bei Oma sein. Um den Smalltalk hätte ich mir keine Gedanken machen müssen, den gab es nämlich nicht. Ehrliche und tiefe Gespräche waren genauso vorhanden wie Gespräche voller Metaebene und Witz. Die Menschen waren schön, der Ort besonders und nach den ersten dreißig Minuten alleine mit dem Gastgebern, habe ich mich richtig wohl gefühlt.

Es kamen mehr und mehr Gäste, das Lagerfeuer wurde angezündet, die Musik etwas lauter gedreht. Sternchen hat geschlafen. Meistens jedenfalls. Zwischendurch hat sie sich die netten Leute angeschaut und mich beim Bierpong unterstützt. Um mich herum wurde es lustiger. Schon speziell, wenn man als fast einzige nüchtern bleibt. Aber auch in Ordnung und ich konnte es richtig genießen.

Wir waren thematisch viel bei der heutigen Wahl. Am Lagerfeuer hatte ich ein tiefes Gespräch mit einem meiner ältesten Freunde und ich habe mich zwischendurch gefühlt wie die 18-jährige Jasmin. Das Atmen meiner Tochter an meiner Brust hat mich nicht vergessen lassen wer ich heute bin. Doch dieses Gefühl von Leichtigkeit habe ich vermisst und wünsche mir so, dass wir mehr feiern. Im Alltag, ohne Anlass oder anders formuliert, dass wir die vielen Anlässe die es gibt, neu entdecken und feiern.

Heute morgen im Gottesdienst haben wir Taufe gefeiert und die neuen Konfis begrüßt. Wir haben Gott gefeiert und uns bewusst gemacht, wie gut es uns geht. Eine andere Party als gestern Abend und auf eine ganz andere Weise berührend. Nach dem Gottesdienst war ich erfüllt mit guten und positiven Gedanken. Das letzte Jahr (ehrlicherweise ja sogar schon mehr als ein Jahr, aber da klingt so lange) hat unsere Gedanken verändert. Wir müssen beweisen, dass wir gesund sind, alles wurde irgendwie problemorientierter und dadurch sind die Gedanken oftmals eher bedrückend. Zumindest war das bei mir so und bei vielen in meinem Umfeld. Wir konnten nicht leben wie wir wollten und nicht feiern wie wir wollten, dann haben wir es halt einfach gelassen. Also das Feiern oder vielleicht auch ein bisschen das Leben?

Heute Abend haben wir darüber gesprochenen wann das Leben eigentlich richtig beginnt und mein Mann und ich sind uns einig, nicht erst mit der Rente, denn wer weiß ob es dann nicht zu spät ist und einer von uns vielleicht schon gestorben ist. Leben heißt jeden Tag zu feiern. Das was uns vor die Füße fällt:

Die Kinder in der Kita und ihre erhellende Logik, das Meterfest von Knöpfchen, die Geburt von Sternchen, die Schlossgartenbahn. Die Besuche bei Verwandten und den eigenem Geburtstag zelebrieren als wäre es das Wichtigste das es gibt. Gottesdienst nicht nur am Sonntag feiern, sondern mit jeder Faser, zu jeder Zeit, an allen Orten. Möglichkeiten feiern, nicht Einschränkungen beklagen. Sehen was geht und nicht was ging. Feiern ohne sich übers Aufräumen danach zu beschweren. Die nächste Party kommt bestimmt.

Ich will nicht warten bis wir Zeit haben, ich will so leben, dass es immer möglich ist zu feiern und zu tanzen. Wir entscheiden uns für einen Weg unser Leben zu leben und wir können diese Entscheidung feiern oder uns Leben lang wissen, dass das eigentlich nicht das Leben ist, das wir uns wünschen.

Ich will nicht arbeiten müssen um einen Kredit abzubezahlen für ein Haus, das mich an einen Ort bindet, an dem mich niemand besucht. Ich will meinen Mann und meine Kinder sehen und zwar so oft und so lange es geht. Meine Kinder sollen wissen, wie ihre Mama feiert, wie sie tanzt und wie sie am Lagerfeuer sitzt. Diese Bilder sollen ihre Erinnerungen sein. Kein Geld der Welt bringt mich zum Feiern, sondern meine Familie, meine Freunde und die Umstände, in denen wir leben dürfen.

Vielleicht brauchst du auch mal wieder eine Party? Wann hast du das letzte mal getanzt? Ich könnte mir vorstellen, es ist lange her. Zu lange. Warte nicht auf später. Tu es. Es gibt immer einen Grund.

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