Ich sitze bei offenem Fenster auf unserer schönen Fensterbank im Wohnzimmer. Draußen laufen Menschen vorbei, schauen hoch. Ich frage mich, was denken sie wohl, was ich hier mache. Meine Masterthesis schreiben? Die letzten Seiten eines Buches tippen? Der Präsentation für morgen den letzten Schliff geben? Wer weiß.
Was sie sich jedenfalls sicher nicht denken ist, dass ich heute fünf mal von oben bis unten vollge***** wurde. Den ganzen Tag ein Kind auf, an oder direkt neben mir hatte. Und das schon den 6. Tag in Folge. So langsam geht mir die Lust am Waschen, putzen, trösten und versuchen Essen zu geben dann doch ab und zu verloren, auch wenn ich die ganze Zeit versucht habe optimistisch und gut gelaunt zu bleiben. Es flossen Tränen, nicht nur bei den Kindern. Ich habe seit sechs Tagen die Wohnung nicht verlassen, obwohl ich dank lieber Menschen die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Ich wollte sie nicht alleine lassen.
Ich sag mal so. Es gibt definitiv Schöneres und Erhebenderes als das, was wir hier die letzten Tage so erlebt haben und ich freue mich, dass es zumindest drei von vier deutlich besser geht.
Was aber mit so einem Infekt oft Hand in Hand geht, ist ein Schub bei den Kindern. Sternchen ist total groß geworden und ich meine, ihre Laute eher als Worte zu erkennen. Knöpfchen pflegt seine Schwester mit und ist ein (meist) geduldiger Kerl, der jetzt gerade wieder spürt, dass es etwas mit einer Familie macht, wenn es auch nur einem richtig schlecht geht.
Wir haben gelesen, gekuschelt, gelacht und geweint. Die anderen ge-Wörter könnt ihr euch denken und ich lass sie mal weg. Das gehört zum Leben mit Kindern dazu und ist echt hart. Anstrengend und kräftezehrend. Ich war richtig sauer, weil ich den JGA einer lieben Freundin absagen musste und auch einen Abend in der Gemeinde. Aber wenn sie später groß sind und wir Fotoalben anschauen (in denen bei uns auch Bilder von kranken Kindern drin sind) und sie dann fragen, wo ich war, dann wünsche ich mir, dass meine Antwort von Herzen kommt, wenn ich sage: Bei dir. Ich war bei dir, weil ich dich liebe. Weil ich euch liebe und mir nichts wichtiger ist, als die Beziehung zu euch.
Ich weiß wohl, dass ich nach diesen intensiven Tagen auch mal eine Pause brauche und ich sehne mich danach, aber bis die möglich wird, halte ich nach den kleinen Dingen Ausschau. Nach einem Herzensprojekt, dass durch diese Krankheitsphase zum Abschluss kommt. Nach guten Büchern, die ich sonst nie in dieser Geschwindigkeit gelesen hätte, nach neuen Blüten auf meiner Terrasse, die ich noch nicht kenne und nach Veränderungen an unseren Kindern. Wie Knöpfchen seine Geburtstagseinladungen bastelt und jeden Sticker für jedes Kind mit Bedacht und Sorgfalt auswählt und aufklebt.
Und bald, da bin ich sicher, sitz ich bei der Pediküre oder bei einem Cappuccino ganz allein im Café und hab schon wieder Sehnsucht, nach diesen beiden kleinen Wesen, die mir das Leben nicht immer leichter machen, aber es von Grund auf lebenswert machen.
PS: Ich weiß, Selbstfürsorge ist wichtig und meine Kinder überleben auch mal ein paar Stunden ohne mich. 🙂 Nur der Zeitpunkt, der muss dann auch für alle passen und er wird kommen, ich bin ganz sicher.
Liebe Jasmin, ich verstehe dich sehr gut und ich weiß, bald sind die zwei wieder gesund 🙏 und du hast wieder freue Zeit für dich. Ganz bestimmt 👍 liebe Grüße Mama ❤️
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