Glaube im Alltag, Tiefgang

Einfach

Es ist einfach schrecklich wie leicht uns das Wörtchen einfach von den Lippen geht, wenn Gott etwas tun soll. Aber auch wenn wir anderen Ratschläge geben: „Mach doch einfach.“ Warum mich das so ärgert? Weil es oft einfach überhaupt nicht passt.

Mir fällt vermehrt auf, dass wir im christlichen Bereich dazu tendieren, vor allem im Gebet Dinge als „einfach“ zu betiteln. „Gott, mach doch einfach, dass es gut wird.“ Durch das Benutzen dieses kleinen Wörtchens geht für mich ganz oft die tiefe Bedeutung eines Gebets verloren. Es entkräftet und verleitet zum Verharmlosen. Wenn beispielsweise jemand in einer Runde von Menschen gerade von dem schweren Verlust einer geliebten Person berichtet und später bei der Gebetsrunde dafür gebetet wird, dass es den Angehörigen einfach besser geht. Versteht mich nicht falsch, ich verstehe die Motivation dieses Wort zu benutzen, tue es ja oft selbst. Und dennoch meldet sich in mir etwas, das mir sagt, es ist oft so deplatziert.

Wenn eine Person einen Ratschlag von mir bekommt, in dem ich das Wort „einfach“ benutze, dann stelle ich mich gedanklich irgendwie über sie. Klar, manchmal ist ja mein Gedanke auch ganz neu für die andere Person und es kann wirklich als „einfach“ erscheinen. Aber das kann die Person dann ja eigentlich auch selbst als solches definieren.

Vielleicht kommt dir das jetzt übertrieben und irgendwie kleinkarriert vor, dennoch spüre ich, dass ich diesen Gedanken mit dir teilen möchte. Nicht, weil ich denke, ich bin schlauer. Sondern weil ich erfahren habe, das meine unbedachte Art Worte zu wählen, verletzen kann. Und ich seither empfänglicher dafür bin und ein bisschen Wortpolizei spielen möchte für die, die es nicht selbst sagen können.

Mehr als im persönlichen Gespräch fällt es mir allerdings im Gebet auf und ich glaube auch zu wissen warum. Mir fehlt das Lob in meinen Gebeten und in den Gebeten, an denen ich teilnehme. Würden wir unsere Gebete öfter oder immer mit Lob beginnen, würde uns das Wort „einfach“ vielleicht nicht mehr so einfach über die Lippen kommen.

Dann wäre uns bewusst, dass nichts einfach so passiert. Ich glaube schon, dass Gott nichts unmöglich ist und ich ihm alles hinlegen darf, dass er sich kümmert und ihm Dinge möglich sind, die ich alleine niemals bewerkstelligen könnte. Und doch möchte ich nicht „einfach“ etwas von ihm erbeten. Ich möchte ihn dafür loben was er tut, mir schenkt und für mich vorbereitet. Ich möchte demütig vor ihm stehen und ihn für seine Größe ehren und preisen. Und dann, wenn ich das getan habe, dann bitte ich. Und ob ich das dann einfach oder mit anderen Worten tue, das kommt dann auf die Situation an, auf die Geschichte meines Gegenübers und auf die Sache, um die es geht.

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