Gerade habe ich einen Blog Beitrag gelesen, was ich sehr selten tue. Aber ich bin dran hängen geblieben und mag einen Gedanken sehr.
Was ist, wenn es, so wie es jetzt ist, gut ist? Warum über Mangel brüten, wenn ich Fülle habe?
Unsere aktuelle Lebensphase fordert mich heraus und gleichzeitig weiß ich, was ich an ihr habe. Wir haben jetzt ein Schulkind und ja, ich denke mittlerweile auch, dass Hausaufgaben irgendwie nerven. Zumindest stören sie den Familienfrieden. Nicht jeden Tag, aber doch ab und an. Wir finden Wege, ich vertraue Knöpfchen und traue ihm zu, dass er es gut macht. Ich schau ihm nicht über die Schulter und warte, bis er nachfragt oder mir etwas zeigen möchte. Also meistens jedenfalls. Manchmal bin ich auch sehr ungeduldig, unfair und blöd. Wie das halt so ist.
Ich nehmen mir vor, es am nächsten Tag besser zu machen und wenn ich nicht aufpasse, kann ich schon vor dem Verlassen des Bettes gereizt sein.
Für die Bedürfnisse meiner Kinder verantwortlich zu sein, kann mich unfassbar stressen und manchmal nerve ich mich dann selbst. Hilfreiche Kommentare meines Mannes kommen nicht immer gut an, aber heute hat es wirklich geholfen. Sternchen ein bisschen entgegen kommen, obwohl ich weiß, dass sie sich allein anziehen kann. Drei Teile ich, drei Teile sie. Sie strahlt. Und wer sie kennt weiß, wie sie strahlt. Ich musste lachen, alles war gut. Bevor eben der nächste Nervenzusammenbruch kam, wegen was weiß ich gar nicht mehr, ich glaube es hing mir der zu kleinen Jacke (die ihrer Schwester) zusammen. Wer hat die denn über Nacht kleiner genäht.
Wir kämpfen mit schlechter Laune, unbequemen Schuhen und ekligen Mittagessen.
An guten Tagen gelingt es mir Lockerheit zu versprühen, albern zu sein, den Kindern auf ihrer Ebene zu begegnen. An nicht so guten Tagen werde ich lauter als ich will und bin nicht die Mama, die ich sein will.
Und wenn ich mich umschaue und höre, sehe ich Familien, denen es ganz genauso geht. Es ist NORMAL. Jeder Tag hat seine ganz eigene Herausforderung und wir sind in einer krassen Phase.
Und trotzdem: Es darf gut sein. Es darf leicht sein. Ich darf nachmittags um vier im Wohnzimmer auf dem Boden liegen und mit mir zufrieden sein und wissen, heute geht nichts mehr, wenn ich den Kindern zugewandt bleiben möchte. Und auch das ist eine Erkenntnis.
Ich bin dankbar für unsere Gesundheit, unser neues Zuhause, die Gemeinschaft hier im Haus, die Gemeinde und für die Betreuungsplätze für unsere Mädels. Bald habe ich wieder planbar freie Zeit und kann Dinge ohne Kinder tun. Da freu ich mich drauf und das ist auch ok.
Der November wird sicher spannend, denn Bienchen kommt zur Tagesmutter und Sternchen darf noch einen Monat Zuhause bleiben. Wie sie das findet? Mal so, mal so, aber ungeteilte Mama- oder Papazeit ist ihr größtes Glück und wir versuchen es möglich zu machen.
Gerade sind wir viel hier. An unserem neuen Ort. Haben hier viele tolle und familiäre Kontakte und dürfen einfach ankommen. Die Kinder fühlen sich pudelwohl und mein Mann und ich weinen manchmal vor Freude. Auch schön. 🙂
Der neue Stadtteil macht Spaß. So viele Menschen. Das ist spannend, weil wir vorher kaum Nachbarn hatten, obwohl wir so zentral gewohnt haben. Hier ist es ganz anders. Wärmer, bunter, nicht unbedingt lauter aber lebendiger. Es macht Freude. Und es lässt uns hoffen.
Und heute Abend genieße ich nochmal die Ruhe bei einer Tasse Tee, denn morgen geht es auf Jugendfreizeit. Die Kinder konnten kaum einschlafen vor Aufregung, die Koffer sind gepackt und ich freu mich. Auf junge Menschen, auf Jesus und auf ein tolles Team und bin gespannt, was dieses Jahr alles passiert.
So wie es ist, ist es gut. Es darf wild sein und laut, leise und sanft. Ich bin getragen, in allen Situationen und Lebenslagen.