Gestern Abend saßen wir mit Freunden auf unserer schönen Terrasse. Haben geredet und viel gelacht. Ich fühlte mich leicht wie lange nicht mehr. Es wird einer unserer letzten Abende hier draußen sein, kam mir dann der Gedanke und es war beides in mir. Freude und Traurigkeit.
Wir wagen den Schritt und ziehen um. Mitten hinein in eine schon bestehende Lebensgemeinschaft, nur knapp einen Kilometer von unserem jetzigen Zuhause entfernt. Das heißt manches Gewohnte bleibt, doch vieles wird neu. Knöpfchen kommt in die Schule, Sternchen in einen neuen Kindergarten und Bienchen zur Tagesmutter. Zunächst ziehen wir in eine Übergangswohnung. Wenige Quadratmeter für uns fünf. Dafür andere Dinge, die uns locken. Schon jetzt Teil der Gemeinschaft zu werden, nach der wir uns so sehnen und kurze Wege zu haben zu allen kommenden Alltagsorten, wie Schule und Kindergarten, Gemeinde und Freunde.
Es ist ein Abenteuer und ich spüre in vielen Gesprächen, dass nicht jeder nachvollziehen kann, wie wir uns entschieden haben. Das ist auch ok. Und ich lerne gerade immer mehr wirklich zu spüren, was meine Gefühle sind und was die der anderen. In mir ist Vorfreude und Respekt vor der Veränderung, manchmal auch ein wenig Angst. Wenn ich nachts aufwache und daran denke, wo wir Umzugskartons herbekommen, merke ich, dass das eigentlich nicht unser größtes Thema ist. Ein leichtes Gefühl der Überforderung, das sich in den kleinen to dos zeigt, die zu seinem Umzug dazu gehören. Ich lerne einen Umgang damit. Schreibe alles auf und nehme mir fest vor, jetzt nicht ins Funktionieren zu rutschen, sondern ganz bewusst zu sein und zu leben, für die letzten Wochen hier in unserem Zuhause. Für den Abschied der Kinder aus ihrer Kita und für jeden gspackten Karton.
Die Übergangswohnung fordert uns ein wenig heraus, weil sie sehr klein ist. Und gleichzeitig haben wir schon lange den Traum, mal richtig minimalistisch zu leben. Auch die Kinder entwickeln gerade Freude daran, zu überlegen, was sie wirklich bei sich haben wollen und was erstmal zwischengelagert wird. Manches darf ganz gehen und es fühlt sich leicht an.
Das Resümee für unsere Zeit hier kommt irgendwann noch. Jetzt schaue ich nach vorne. Das Studium pausiert und ich versuche bei all den Gefühlen und Gesprächen in unserer kleinen Familie zu einer Gelassenheit zurück zu kommen, die mich hier durch trägt. Zu wissen und mir jeden Tag wieder neu bewusst zu machen, dass es zwar viele, aber gute Veränderungen sind, hilft mir sehr. Und ich lerne gnädiger mit mir zu sein.
Heute, am Sonntag, schaue ich nicht auf Ebay, ich mache keine Listen und miste keine Schublade aus. Ich schaue meinen Kindern beim Malen zu, liege auf dem Sofa und weiß, dass wir alles schaffen werden. Jeder kleine Schritt trägt ein wenig dazu bei, dass am Ende der Umzug gelingt. Aber es darf auch Tage geben, an denen er keine Hauptrolle spielt. Und wenn wir am Ende nicht alles so schaffen wie wir es uns vorstellen, können wir bei all dem eines sein: glücklich im Moment. Und da können Tränen genauso vorkommen wie Lachen und Leichtigkeit. Denn jede Veränderung trägt beides in sich und das ist auch gut so.