„Mama, können wir ein Gummibärchen haben?“ – „Mama, dürfen wir was gucken?“ – „Mama, ich hab aber jetzt Durst.“ – „Kannst du mir was vorlesen?“ – „Ich will jetzt kuscheln.“ – „Mama, ich hab Hunger.“ – „Mama, mir ist langweilig.“
Der Weg nach Hause, nach der Kita hat es oft in sich. Zwei reizüberflutete Kinder und heute zusätzlich im Angebot, ein müdes Baby. „Mama, können wir noch spazieren gehen?“ Kurzes Abwägen meinerseits und dann Zustimmung. Ja, wir gehen noch kurz spazieren. Doch irgendwie reicht das auch nicht, eine Frage folgt der nächsten, eine Erwartung nach der anderen wird kundgetan und der Ton, macht gerade auch keine schöne Musik. Warum habe ich zugestimmt? Egal, wie sind also auf dem Spaziergang und es wurde wild gefordert und gemotzt und ich blieb ruhig. Sehr zur Verwunderung meiner Kinder. Ich habe immer wieder freundlich darum gebeten, dass sie bitte freundlicher mit mir sprechen sollen und wir Zuhause gerne erst mal eine Pause machen können, wenn ihnen gerade alles zu viel ist. Das war natürlich kein guter Vorschlag.
Es macht pingpingping. Viele kleine Nadelstiche, mein Kopf brummt, meine Ohren sausen. Nicht stark. Aber spürbar. Wir kommen Zuhause an und es geht weiter…
Sie brauchen so viel und manchmal habe ich so wenig zu geben. Es wäre leicht, all ihren Wünschen nachzugeben. Dann wäre Ruhe… Erstmal.
Sternchen fragte mich heute dann irgendwann, ob wir öfter so eine große Ausnahme machen könnten… Dabei war ihr Ton sehr freundlich. Die Freude über den Schokonikolaus aus ihrer Süßigkeitenkiste und die „Sendung mit dem Elefanten“ haben ihr wohl gefallen…und die anderen Videos, die sie heute noch schauen durften. Manchmal mache ich sie, die großen Ausnahmen, weil mein System Ruhe braucht. Es ist verrückt, wie anstrengend ich dann alles finde und wie erholsam es ist, wenn einfach mal alle beschäftigt sind und gerade keine Fragen haben.
Es ist erstaunlich, dass so ein kurzer Nachhauseweg so viel Kraft kosten kann. Aber es ist normal. Wir Eltern sind in dieser Phase der Kindheit so gefordert, das spürt man einfach und manchmal reicht es nicht ein paar Stunden Ruhe voneinander zu haben, um wieder voll zu Kräften zu kommen. Ich versuche das gerade anzunehmen. Schlechte Tage zu haben und das auch sagen zu dürfen. Das fällt mir nicht leicht und manchmal denke ich auch, dass ich mich wirklich mehr zusammenreißen müsste. Die Frage ist nur, wem damit geholfen wäre?
Und manchmal schaffe ich es nicht mal ein gesundes Abendessen auf den Tisch zu bringen. Dann picknicken wir im Hof und essen ungesunde Dinge, aber sind fröhlich dabei. Es ist ein endloses Abwägen. Wofür reicht die Kraft, was muten wir uns zu und wie oft wollen wir uns noch überfordern. Und dann spüre ich ein leises pingpingping und weiß, kein Mensch erwartet, dass ich mich überfordere und vorallem würde kein anderer außer mir merken, wenn ich etwas lasse, was mich sonst vielleicht stresst. Denn ich habe hohe Erwartungen an mich und auch an einen schönen Familienalltag, aber wisst ihr was? Seid ich besser auf mich achte, geht es allen besser.
Ich sage auch den Kindern mittlerweile, wenn meine Kopfschmerzen beginnen, so wie sie mir ja auch jegliche körperliche Veränderung ihrerseits im Minutentakt mitteilen. Ich lerne immer mehr unsere Familie als System zu betrachten und das ist wirklich spannend. Und wenn einer schwankt? Dann spüren das alle. Und wenn einer stabil steht und in sich ruht? Dann spüren das alle.
Es darf pingpingping machen. Aber ich darf es dann spüren und den Kindern sagen und zeigen, dass sie auch Rücksicht auf mich nehmen dürfen und sich dann alles besser anfühlt, für uns alle.