Alltag als Mama, Glaube im Alltag

Reden

Gerade spüre ich seltener den Drang zu schreiben und mich mitzuteilen. Auch in Gesprächen versuche ich mehr zu hören als zu sprechen. Aber natürlich ist meine eigene Wahrnehmung da sicherlich auch nicht ganz realistisch. Die ein oder andere Freundin muss jetzt gerade vielleicht laut lachen. 😉

Ich rede gerne. Beim Sprechen verarbeite ich Dinge. Und manchmal merke ich, wenn ich es anspreche, dass ich lieber erstmal allein drüber nachgedacht hätte. Beim Spazieren mit Bienchen höre und mache ich oft Sprachnachrichten oder telefoniere. Selten laufe ich einfach nur durch den Wald, aber es wird mehr. Und dann spreche ich auch. Aber auf eine ganz andere Art und Weise. Ich bete. So wie ich früher meine Arbeitswege genutzt habe, versuche ich es jetzt vermehrt, wenn ich den Kinderwagen schiebe.

So oft sage ich: „Ich bete für dich.“ Tue es dann aber nicht direkt. Manchmal dann auch gar nicht mehr. Auch diesen Satz, sage ich seit einer Weile bewusster. Nämlich nur dann, wenn ich eine Idee habe, wann ich wirklich realistisch für diese Person, die gerade etwas mit mir geteilt hat, beten werde.

Ich spüre, wenn ich nur mit Gott kommuniziere auf meinen, unseren Spaziergängen, dann verändert sich etwas in mir. Ich bin nicht frei von schlechten Gedanken und manchmal urteile ich hart über andere. Ich versuche nicht zu lästern oder vorschnell Urteile zu fällen, aber es gibt eben auch diese Tage bei mir, an denen ich gemein sein kann und meine Worte später bereue. Ich denke das ist auch ein stückweit menschlich. Aber im Reden mit Gott fallen mir dann oft andere Dinge zu der Person ein über die ich schlecht gedacht habe. Ich kann es nicht richtig beschreiben, aber oft fühlt es sich dann so an, als würde mein Herz weicher werden. Es entspannt mich und ich weiß, dass ich nicht in der Rolle bin, urteilen zu müssen. Gott sei Dank.

Jeden Tag neu habe ich die Möglichkeit meine Gewohnheiten zu verändern und ein besseres Leben zu führen als bisher. Wie oft war es das Gebet einer guten Freundin oder meines Mannes, das mir die Augen geöffnet und mein Herz verändert hat.

Ich will mich dafür entscheiden für Menschen zu beten und nicht schlecht über sie zu reden oder zu denken und ich bin dankbar, dass es in meinem Umfeld andere Menschen gibt, die mich dazu ermutigen und daran erinnern. Denn manchmal denk ich nicht mal dran. So viel Ärger, Wut und Unverständnis sind manchmal in mir. Und auch das ist gut und wichtig. Aber wenn es mir den Blick nimmt für das Wesentliche, für das, was echte Veränderung und Besserung bringen kann, dann kann es nicht so gut sein wie ein Gebet.

Und manchmal frage ich mich auch, wie es wäre in einer Beziehung ganz ehrlich zu sagen was man über den anderen denkt, zu jedem Zeitpunkt. Denn ich glaube, das tun wir nicht. Zumindest nicht immer. Welche Tiefe wäre möglich, wenn wir unserem Gegenüber unsere tiefsten Gedanken mitteilen würden. Ungefiltert und ungeschönt? Welche Verletzungen würden neu aufbrechen und welche Heilung wäre möglich? Oft sagen wir Dinge nicht, um jemanden nicht zu verletzen. Wir könnten ja aber Dinge sagen, um jemanden zu heilen. Blinde Flecken ansprechen, nicht nur entschuldigen und rechtfertigen. In Liebe sehen, was der andere tut und reagieren um ihm die Möglichkeit zur Reflektion und Veränderung zu geben ohne den Anspruch oder die Überheblichkeit es besser zu wissen?

Wahrscheinlich ist es einfacher nichts zu sagen. Nicht zu verletzen. Nicht zu begleiten und zu halten, wenn etwas aufbricht. An der Oberfläche schwimmen um nicht unter zu gehen.

Aber was, wenn wir uns tiefer wagen? Welche Erkenntnisse könnten wir entdecken im Bereich des bisher Unausgesprochenen?

Wir haben hier im Moment einen kleinen Walfan in der Familie. Und vielleicht fällt mir daher dieses Bild ein… Auf dem Meer, auf dem Schiff oder im Boot gibt es eine kleine Wahrscheinlichkeit einmal einen Wal zu sehen. Ein kleiner Moment voll tiefer Erfüllung und Dankbarkeit. Aber was, wenn wir uns ausrüsten lassen und uns ins Meer wagen? In die Tiefe gehen und mit offenen Augen im Meer tauchen? Ganz eintauchen in die Möglichkeit Wale zu sehen. Mit ihnen zu tauchen, vielleicht sogar einen zu berühren. Wieviel tiefer und erfüllender wäre wohl dieses Erlebnis.

Ich würde gerne tauchen.

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