Lange hab ich nicht geschrieben. Lange fehlten mir die Worte, die Muse und die Zeit.
Die letzten Wochen waren voll. Grippe, Studium, Urlaub und so viele Dinge zu erledigen. Ein Hamsterrad. Und irgendwann habe ich gemerkt, es ist einfach alles ein bisschen viel. Mein Körper sendet schon länger Signale und jetzt ist es auch ansonsten angekommen. Ich bin erschöpft und müde. Ich brauche Pausen und meine Ruhe. Gleichzeitig empfinde ich eine so tiefe Dankbarkeit für unsere Kinder, unsere Ehe, viele gute Freundschaften und unsere Familien. Aber viel bleibt viel. Egal ob es gut ist oder nicht. Unser letztes Jahr war so voll, dass man eigentlich deutlich mehr Zeit bräuchte das zu verarbeiten. Existenzielle Dinge sind geschehen. Unfall, Geburt und Tod. Und ohne es damatisieren zu wollen, wird mir klarer, sowas braucht Zeit, bis es verarbeitet ist und die muss ich mir jetzt, ein wenig versetzt, nehmen.
Ich sortiere neu, mache mir Gedanken und wäge ab. Es müssen nicht immer alle drei Kinder überall dabei sein, manchmal ist es für uns alle besser, wenn mal einer woanders den Nachmittag verbringt. Und auch Zeit mit einem Kind allein zu haben, entspannt unseren Alltag total. Aber es ist nicht immer leicht alles zu planen und an alle Bedürfnisse zu denken.
Ich für mich darf ganz neu lernen, dass es schon genug ist, wenn ich da bin. Ich verlange oft so viel von mir und wundere mich dann, warum es mir schwindelig wird. Ich lasse Dinge liegen und warte gerade immer mehr auf die Impulse, die es mir dann leicht machen, etwas zu erledigen. Das Verrückte ist, dass sie tatsächlich kommen, ganz ohne inneren Stress und ich viel entspannter durch den Tag komme. Ich versuche alles bewusster wahrzunehmen. Nur eine Sache auf einmal zu machen und sitzen zu bleiben, wenn ich den Impuls verspüre jetzt sofort etwas anders machen zu müssen. Wie oft habe ich mich schöner Erlebnisse beraubt, weil ich dachte ich muss rumwuseln und alle bedienen. (Wobei das kein Mensch erwartet.)
Ich merke in den letzten Wochen, es darf anders sein. Ich darf mich einfach auch wohl fühlen und unser Leben so gestalten, dass es mir gut geht. Ich war jetzt nie die Mama, die sich aufgefordert und total vergessen hat. Aber ich bin eine Meisterin mich selbst zu überfordern und meine eigenen Grenzen nur als zarte Linien wahrzunehmen.
Im Grunde meines Herzens weiß ich, ich bin gut genug. Und im Alltag, wo oft alles laut, schnell und hektisch ist sehe ich manchmal nur, was ich noch nicht geschafft habe.
Eine neue Gewohnheit ist mein Glimmer-Journal. Jeden Abend schreibe ich, vor dem schlafen gehen alle Momente auf, die mir den Tag über Freude bereitet haben. Und das sind viele! Mir das bewusst zu machen lässt mich ruhiger schlafen.
Ich beginne Gespräche vermehrt mit positiven Berichten und nicht mit Ärger, Sorge, Klatsch und Tratsch.
Unser Leben, das meines Mannes und meins ist das, was unsere Kinder jeden Tag sehen und ich wünsche mir sehr, dass es sie inspiriert ein hoffnungsvolles, bewusstes und entspanntes Leben zu wählen. Es gibt so viel was uns die Laune vermiesen kann, aber noch mehr, was uns das Herz wärmen will. Die Jahreslosung ist da auch wieder ein guter Ratgeber: „Prüft alles und behaltet das Gute.“
Ich könnte jetzt weiter über meine Grenzen maschieren, nachts nicht schlafen und in diesem Strudel stecken bleiben. Aber ich entscheide mich jetzt mal für mich. Für meine Gesundheit, mein Gleichgewicht und meine Lebensfreude und dann, da bin ich mir sicher, wird das auch Auswirkungen auf meine Kinder und meinen Mann haben.
Und heute Nacht schlafe ich bei Sternchen im Bett. Einfach so, weil sie meine geliebte Tochter ist und ich gerne neben ihr liege. Warum auch nicht. Wer weiß was morgen ist.
Ich wünsche dir, wenn du das liest, dass du weißt: Du bist genug und gut genug. Das Leben ist kein Wettkampf, sondern eine Suche, die bei uns ganz persönlich beginnt und wahrscheinlich auch endet. Wir dürfen es uns wert sein Entscheidungen für uns zu treffen, vor allem in Lebenssituationen, die uns so manches abverlangen. Denn dann sind wir gestärkt für die anderen Phasen, die noch kommen und vielleicht nicht schwerer, aber anders sein werden.
Gerade sind nicht alle Tage leicht, aber es sind auch nicht alle schwer. Und es ist alles kein Drama, sondern das Leben. Alles lässt sich bewältigen, wenn wir uns nicht überfordern, Unterstützung annehmen und gnädig mit uns selbst sind. Und das sage ich dir und mir.
Gott sieht unser Herz. Er schenkt uns Aufmerksamkeit und seine Gnade. Warum sollten wir das dann nicht auch tun?
Gute Nacht 💞