Heute Abend ging ich noch mit unserem kranken Knöpfchen spazieren. Er hatte viel Energie und ich brauchte noch ein bisschen frische Luft. So viele Gedanken gehen mir in den letzten Tagen durch den Kopf. Unverständnis für so manche politische Entscheidung und Vorliebe. Sorgen.
Auf dem Marktplatz haben sich heute Abend Menschen erinnert. An das Schrecklichste was unser Land je erlebt hat und was nie mehr wieder geschehen darf. Meinem Sohn konnte ich es nicht erklärt. Er ist doch noch so klein.
Ich erinnere mich an eine Reise, die ich vor 14 Jahren, während meines FSJ, gemacht habe und ich kann heute sagen, dass mich keine andere je so geprägt hat, wie diese.
Reiseziel? Polen – Auschwitz.
Wir haben sieben Tage im Hotel direkt am KZ gewohnt. Konnten jederzeit mit unserem Spezialausweis in das Museum. Auch spät Abends. Unsere Ankunft war unheilvoll. Es war Nacht, es hat geregnet, ein Käuzchen hat gerufen und keiner wollte aus dem Bus steigen.
Wir haben dort geschlafen, wo früher die Offiziere geschlafen haben…ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass ich nachts kaum ein Auge zubekommen habe. Wir wurden gut begleitet und doch war das, was wir da gesehen und gehört haben nicht leicht zu verarbeiten. Es gab abends oft die Möglichkeit mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. Was für weise Menschen wir damals kennenlernen durften, begreife ich heute noch mal mehr.
Es war eine Reise voller Dunkelheit und schwerer Erkenntnis und gleichzeitig so eine gesegnete Zeit. Wir wurden herzlich willkommen geheißen und eingeladen. Es gab das leckerste Essen, auch wenn es uns zeitweise im Hals stecken geblieben ist. Im Anschluss an diese sieben Tage durften wir noch drei Tage in Krakau verbringen. Zum runterkommen und er erholen. Wir waren in keiner Bar und auch nicht feiern. Es hat sich einfach nicht richtig angefühlt. Auf der langen Busfahrt nach Hause haben wir alle nur geschlafen.
Es war meine prägendeste Reise und für mich persönlich eine Reifeprüfung. Ich bin dankbar, für diese Erfahrung und kann heute davon erzählen. An einem Tag, der uns allen zu denken geben sollte, wenn wir auf die kommende Wahl schauen.
Es gibt keine Alternative zu Menschlichkeit. Ich bete und hoffe, dass viele Menschen das noch erkennen werden und ihre Wahlentscheidung weise und bedacht treffen.
Die Farbe der Hoffnung ist grün.
Bedenkt, wie gut es euch geht. In welchem Wohlstand ihr leben dürft und welche Möglichkeiten euch offen stehen. Es ist nicht selbstverständlich in einer Demokratie zu leben und freie Entscheidungen treffen zu dürfen. Das zu bewahren sollte unser Ziel sein und nicht das Streben nach mehr von allem nur für mich. Das wir hier geboren sind, haben wir uns nicht verdient und nichts dafür getan. Wir hatten einfach Glück.
Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen. Mt 5,9