Ich stehe unter der Dusche. Der erste Moment heute wirklich allein. Nur für mich. Heiße Tränen laufen mir die Wangen hinunter und ich habe schon den ganzen Tag gespürt, dass sich da etwas anschleicht. Vor meinem inneren Auge läuft die letzte Begegnung mit meinem Opa ab und ich vermisse ihn in diesem Moment so sehr. Ich trauere um ihn, um alles, was durch seinen Tod endet und sehne mich nach seiner Umarmung. Von denen gab es viele. Mein Leben lang. Jetzt fehlen sie mir. Gerade wäre ich gerne die Enkelin, die in der Umarmung ihres Opas sicher und geborgen ist und die Welt kurz still steht. Mich kurz in Ruhe lässt.
Ich schließe die Augen und sehe meinen Opa vor mir. Den Kämpfer und Optimist, der er sein Leben lang war. Der Ermutiger und Unterstützer. Egal worum es ging und was ich ihm auch erzählt habe von meinen Plänen, er hat nie Zweifel geäußert, mich stets ermutigt. Und ich stelle mir vor, was er heute zu mir sagen würde. Er würde sagen, dass ich das schaffe. Dass ich alles schaffen kann, was ich mir vornehme, weil ich mich kenne.
Heute, nach einem Tag krank im Bett, mit kranken Kindern und alleine, fühle ich mich trotzdem ermutigt und konnte vorhin wirklich glauben, dass ich das alles schaffe und nicht nur schaffe, sondern es gleichzeitig genießen kann. Plötzlich fallen mir Dinge ein, die ich fürs Studium gebrauchen kann und die mir vielleicht doch noch helfen, bis zu Abgabe fertig zu werden. Und wenn nicht? Dann ist es so. Dann habe ich es versucht.
Manchmal denke ich, wir haben so ein gutes Leben und doch habe ich immer wieder Sorgen, Ängste, Bedenken. Ich will mich doch nur freuen. Will zufrieden sein und optimistisch. Und das ist immer wieder eine Entscheidung, es liegt mir nicht automatisch im Blut.
Trust in God – läuft während ich unter der Dusche stehe. Und das mache ich. Nicht immer aktiv, aber solche Erinnerungen brauche ich. Jeden Tag. So wie eine Umarmung. Diese Zusage ist so gut und heilsam und trägt mich, wenn ich denke, ich schaff das nicht.
Gott weiß es schon und er weiß es besser.