Alltag als Mama, Glaube im Alltag, Tiefgang

Veränderung

Wenn mich jemand fragen würde, wie unser Leben gerade aussieht würde ich wahrscheinlich sagen. Wild. Im Fluss. Unruhig.

Die letzten Wochen waren sehr intensiv und ich merke immer an den Abständen meiner Beiträge, wir stark ich emotional Zuhause eingebunden bin. Und wo ich auch Zeiten brauche, in denen ich ganz in der realen Welt bleibe.

Das Wochenbett ging zu Ende und mein Körper kommt wieder zu Kräften. Langsam aber sicher. Dachte ich.

Denn die Trauer ist bei uns eingezogen. Und wird wohl auch eine ganze Weile bei uns wohnen bleiben. Mein geliebter Opa ist im Alter von 94 Jahren verstorben und hinterlässt eine Lücke. Er war ein liebevoller, zugewandter, interessierter Mensch. Hat sein Leben bis vor Kurzem selbst gestaltet und bestritten. Er wusste was er wollte und konnte sich genau so wundervoll zurückhalten. Er hat uns, seine fünf Kinder, neun Enkel und 12 Urenkel begleitet, inspiriert, unterstützt und manchmal auch gefordert. Mein Opa war für mich eine Stütze, ein Teil meines Lebensfundaments und jetzt ist er nicht mehr da. Sein Tod war eine Erlösung für ihn, denn die letzten Wochen hat er sehr schnell abgebaut. Und für jemanden, für den Autonomie und Selbstbestimmtheit Grundpfeiler seines Lebens waren, wäre der Zustand eines Gepflegten wahrscheinlich nicht immer so einfach gewesen.

Die Geburt unserer Tochter war ein Wunder, eine krasse Veränderung für uns als Familie und wir sind da immernoch am Plätze finden. Der Tod meines Opas ist jetzt das krasse Gegenteil und fordert mir einiges ab. Meine eigene Trauer, die Liebe zu unserem Baby, die Trauer der Kinder und ihre Fragen zu begleiten. Und nebenbei habe ich mich während dem Wochenbett auch noch für ein Masterstudium beworben und wurde tatsächlich zugelassen. Ich bin jetzt also wieder Studentin und setzte mich mit Transformationsstudien auseinander. Einer Mischung aus sozialer Arbeit und öffentlicher Theologie. Die erste Präsenzphase läuft gerade. Hinfahren konnte ich nicht, aber ich kann online teilnehmen und die Inhalte lenken mich gerade etwas ab und helfen mir gleichzeitig einiges zu reflektieren und persönlich weiterzukommen.

Mein Opa, der Zeit seines Lebens ein großes Vorbild für mich war, hinterlässt Spuren in meinem Leben und einer seiner letzten Sätze hat mich tief geprägt. Was er auslöst und in mir bewirkt weiß ich noch nicht und ihn ausschreiben kann ich noch nicht. Aber ich weiß, dass ich mir Zeit geben möchte zu trauern und zu überlegen, was ich aus seinem Vermächtnis machen möchte.

Ich bin dankbar für all die Erlebnisse, die wir gemeinsam hatten. Am meisten in Erinnerung bleibt mir unsere gemeinsame Reise in Opas Heimat im heutigen Tschechien. Und dass er in Tiefenbronn seine neue Heimat fand. Seine Tür war immer offen und jeder wusste, er kann mit seinen Problemen oder Fragen zu ihm kommen. So ein Vorbild.

Manchmal frage ich mich, warum ich bin, wie ich bin, ein Teil der Antwort liegt im Vorbild meines Opas und das finde ich so schön.

Jetzt ist die Zeit des Erinnerns und Weinens, des Ruhigwerdens und des Abschieds. Jetzt ist die Zeit, die anfangs groß und unbestreitbar wirkt und uns am Ende wieder ein Stück mehr zu der Person macht, die wir sein sollen und werden.

Danke Opa. Für dein Sein wie du warst und deine Liebe für uns. Ich werde dich nie vergessen und freu mich, auf unser Wiedersehen.

Hinterlasse einen Kommentar