Wofür? Warum gerade jetzt? Weshalb?
Seit gut einer Woche bin ich wieder zuhause. Die Operation verlief gut. Dem Baby ist nichts passiert und auch ich spüre wie ich langsam wieder zu Kräften komme. Die Vollnarkose war schon anders, als die Narkosen, die ich bisher erlebt habe. Aber alles in allem hatte ich großes Glück. Keine Übelkeit, nur ein bisschen verwirrt beim Aufwachen.
Nach der Operation war der Schmerz auch direkt anders. Nicht toll, aber irgendwie erträglicher. Vielleicht weil ich wusste, dass jetzt ein wichtiger Schritt gemacht wurde, auf dem Weg zur Heilung. Die Aufregung vor der OP war groß und auch danach waren sehr viele Gefühle in mir. Doch ich wurde ausgesprochen gut betreut und konnte mit allen Fragen und Unsicherheiten zum Klinikpersonal kommen. Natürlich war es irgendwie auch eine spezielle Situation, weil ich eben schwanger bin. Manches dauerte bei mir länger, als bei anderen Patienten, weil sich die Ärzte gegenseitig gut abstimmen und unterstützen wollten, damit dem Baby auch sicher nichts passieren kann. Das waren manchmal verwirrende Gespräche und dennoch durfte ich von Anfang an großes Vertrauen und Wohlwollen spüren und das hat sich über meinen gesamten Aufenthalt auch nicht verändert. Dafür bin ich so dankbar!
Frühstück am Bett, strahlend blauer Himmel vor dem Fenster, ein Zimmer nur für mich. Es gab so viel Gutes neben Schmerz und Ungewissheit. Vorallem so liebe Menschen auf der Station, die mich immer wieder getröstet und aufgebaut haben, wenn Verzweiflung und Trauer durchbrachen.
Wieder zu Hause war ich erst glücklich, dann überfordert. So viele äußere Faktoren, über die ich mir im Krankenhaus noch gar keine Gedanken machen musste. Die Kinder haben sich natürlich sehr gefreut. Sternchen verarbeitet intensiv, was sie erlebt hat. Erzählt immer und immer wieder, wie sie meine Hand genommen hat und von ihrer Sorge, auch ins Krankenhaus zu müssen. Knöpfchen verarbeitet anders, stiller und kommt dann plötzlich mit einer Erkenntnis oder Erinnerung um die Ecke, die wir dann versuchen, gut mit ihm zu besprechen.
Natürlich hatte ich anfangs zuhause auch noch relativ starke Schmerzen und musste Wege finden, wie ich damit gut umgehe, damit die Menschen in meinem Umfeld nicht darunter leiden. Das war nicht einfach und hat ein paar Tage gedauert. Wir mussten viel organisieren. Physiotherapie, Haushaltshilfe, Orthopäde, Verbandswechsel und das alles möglichst ohne große Wege, denn laufen ging einfach noch nicht gut.
Je mehr ich von anderen Menschen abhängig bin, umso schwieriger ist es für mich. Momentan ist noch ständig jemand bei mir und vor allem bei den Kindern. Auch kurze Wege, wie zur Kita oder zum Bäcker kann ich mit ihnen alleine noch nicht bewältigen. Ich traue mich den Fuß so zu belasten wie die Ärzte es empfohlen habe, aber natürlich immer nur mit Krücken und mit dem klaren Bewusstsein für das Baby in meinem Bauch, dass da nach all dem Schreck, den es miterlebt hat auch noch eine Weile drin bleiben soll. Jetzt zu schnell zu viel zu wollen und vielleicht nochmal zu stürzen wäre einfach fatal.
Diese Schutzhülle zu sein für unser Baby macht mich immerhin etwas ruhiger und hilft mir in so manchem Moment es nicht allein zu versuchen, wenn keine Notwendigkeit dafür besteht. Immer und immer wieder bitte ich um Wasser, Kühlakkus, Essen oder sonstige Dinge, die ich alleine noch nicht transportieren kann. (Ich habe mir natürlich auch schon selbst geholfen, die Erfindung der Rucksäcke ist genial.)
Mein Mann hat einen Rollstuhl besorgt und diese kleinen Ausflüge in den Schlossgarten sind Balsam für meine Seele. Er schiebt mich scheinbar mühelos durch die Gegend und ich nehme es einfach an. Die Kinder freuen sich über viele neue Bastelsachen und dass ich einfach wieder da bin. Sie kümmern sich schon um so vieles selbst, aber natürlich gibt es Momente, wo auch sie frustriert sind, dass ich nicht einfach schnell aufstehen kann um ihnen zu helfen. Es gibt Tränen, Diskussionen und Hilflosigkeit. Im nächsten Moment Verständnis, Nähe und Alternativen. Auf und ab. Und doch geht es voran. Die Schmerzen sind mittlerweile so erträglich, dass ich kaum noch Schmerzmittel nehme, aber auch hier musste ich lernen, dass es keinem hilft, wenn ich möglichst wenig einnehme, sondern mein Körper und das Baby im Gegenteil auch diese Ruhephasen brauchen.
Ich habe immer noch keine Antwort, warum das ausgerechnet mir passiert ist. Ausgerechnet jetzt und ausgerechnet in der Kita, wo es auch viele der Kinder mitbekommen und sich erschreckt haben. Wenn Menschen uns fragen, wie es uns geht versuchen wir ehrlich zu sein und nicht so zu tun, als hätten wir alles im Griff. Denn wenn wir eins in dieser Zeit brauchen, ist es Unterstützung. Mental und tatkräftig. Mein Mann genauso sehr wie ich.
Und erstaunlicherweise klappt doch alles recht gut. Auch wenn es mich gelegentlich überkommt und die Tränen fließen. Im Grunde bin ich sogar ein bisschen dankbar, dass ich selbst erfahren habe, wie sehr so ein Bruch wehtun kann und dass es mich empathischer macht, sollte es in meinem Umfeld auch jemandem passieren.
Ihr merkt, es ist viel im Gange und so manches ist mir auch noch nicht klar, wird es vielleicht auch nie sein. Dankbar bin ich auf jeden Fall für jede Unterstützung und jeden Menschen, der mit uns durch diese Zeit geht und sich für uns interessiert.
Heute scheint die Sonne. Meine Mama ist da. Alles andere rückt jetzt mal in den Hintergrund.