Heute Abend liege ich im Bett und schaue voller Dankbarkeit auf den Tag zurück. Heute morgen habe ich es geschafft ein Treffen zu lassen, denn mein Körper hat klare Zeichen gesendet. Ohrensausen, Kopfschmerzen. Also bin ich daheim geblieben, habe nicht gemacht, was ich eigentlich tun wollte. Habe nicht gesaugt, sondern war spazieren und habe Gitarre gespielt. Habe nicht eingekauft, sondern habe gelesen. Habe nicht gerödelt, sondern geruht. Habe mich nicht darüber geärgert, sondern mich daran gefreut. Ich konnte entspannt die Kinder von der Kita abholen, obwohl ich mich am Morgen nur um mich selbst gekümmert habe, ohne schlechtes Gewissen.
Diese Tage sind selten. Nicht immer schaffe ich es, mich gleichwertig zu behandeln, wie die anderen. Meine Schwächen zuzulassen und Umstände anzuerkennen. Immerhin bin ich im fünften Monat schwanger.
Ich durfte heute zwei wundervolle Begegnungen erleben mit echten Herzensmenschen. Solche, die keine Aufwärmphase brauchen, sondern solche, bei denen die Zeit wie im Flug vergeht und man noch mehr zu erzählen gehabt hätte. Mehr zum Teilen und Anteil geben. Solche Freundinnen zu haben ist ein wahrer Segen für mein Leben. Ich darf sein, wer ich bin, sagen was ich denke und fühle und annehmen, was sie für mich bereit halten. Ich darf Stütze sein und zuhören, darf weinen und lachen und am besten ist es, wenn das alles innerhalb von zwei Stunden passiert.
Ich spüre im Moment, dass ich nicht die Fülle an Gemeinschaft brauche wie noch vor einer Weile, sondern mir solche Begegnungen, mit nur einer Person, gerade gut tun und ich dann auch das Gefühl habe, mehr geben zu können und ohne es zu müssen. In größeren Gruppen bin ich schneller abgelenkt und schalte mich irgendwer ab.
Gerade ist es so und ich bin dankbar das erkennen zu dürfen und dann auch reagieren zu können. Ich liebe es, wenn die Kinder Besuch haben und hier kleine Menschen Freundschaften fürs Leben planen. Da bin ich gerne dabei und dafür möchte ich auch Zeit haben. Ich versuche anzunehmen, dass diese Phase meines und unseres Lebens gerade einfach anders ist. Sehr Kinderintensiv und ich spüre eine große Sehnsucht nach Ruhe und guten Begegnungen wie heute. Nach Wald und guter Musik. Nach Eis und einem guten Buch. Manchmal lässt es sich gut kombinieren, manchmal weniger. Manchmal findet Sternchen es super, dass ich gehe, manchmal versteht sie die Welt nicht mehr. Und dann bin ich froh, wenn sie mit ihrem Papa nochmal besprechen kann, warum die Mama jetzt ein bisschen allein weg geht und sie ihn hat zum Kuscheln. Ich versuche meinen Tank gefüllt zu halten, damit wir es gut haben zusammen. Ich versuche mich nicht zu vergessen und wenn ich das schaffe, mich nicht schlecht dabei zu fühlen, weil andere vielleicht gerade arbeiten sind. Ich versuche es. Und immer öfter bin ich zufrieden mit mir. Und manchmal versuche ich auch einfach gar nichts und bin einfach nur. Das ist manchmal überraschend einfach.
Und jetzt fall ich ins Bett. Gute Nacht.