Alltag als Mama

Diese Launen

Am Freitag war Weltfrauentag und eigentlich wollte ich euch dazu auch was schreiben. Ich habe auch angefangen, aber wie das manchmal so ist, sind die Worte zwischen meinem Herzen und meinem Kopf hin und her gewandert, tippen konnte ich sie nicht.

Mein Mann und ich haben uns letzte Woche drei Tage aus allem raus genommen. Eigentlich wären wir bei einem großen Kongress gewesen, aber es ging nicht. Zuviel ist gerade los, zu viel ist gerade im Wandel und beschäftigt uns so, dass wir nicht noch mehr Impulse zusätzlich vertragen. Vor allem bei mir ist das so. Mein Mann ist da um einiges zäher.

So viele Dinge. Wunderschönes. Unser Baby. Lange haben wir darauf gewartet und jetzt dürfen wir uns umso mehr freuen. Im August ist es dann soweit und wir werden zu fünft sein. Das ist alles noch so surreal und die beiden „Großen“ sind eine wirklich gute Ablenkung, vor allem bei der momentanen Infektsituation in der Kita, darf ich sie tagelang in vollen Zügen genießen. Ich bin dankbar, dass ich das gut machen kann. Und doch strengt es mich an. Bei Knöpfchen war ich ab dem 6. Monat krank geschrieben, bei Sternchen konnte ich ins Büro und hatte ein paar Stunden Ruhe von der Carearbeit. Jetzt ist es anders. Keine stundenlange Mittagsschläfchen, keine Spaziergänge nur mit Baby.

Dafür unendliche Freude bei Knöpfchen und Sternchen aufs Baby. Es werden Namen ausgesucht und in Gedanken schon Taufkerzen verziert (Knöpfchen), Puppen in der Trage getragen und in den Schlaf gewiegt (Sternchen). Sie hält das Köpfchen beim Tragen und gibt den Schnuller als hätte sie ihr Leben noch nichts anderes gemacht. Der Puppenwagen ist unser treuer Begleiter geworden und außerdem ist sie jetzt groß. Nicht mehr klein. Das ist ja jetzt das Baby. Es könnte nicht schöner sein und während ich das schreibe, kommen mir die Tränen, weil ich mich so glücklich schätzen kann. Gesegnet mit zwei gesunden, schlauen und aktiven Kindern und einer Schwangerschaft, die zwar anstrengend ist, aber die da ist! Wie kann ich nur Schlechtes denken?

Vielleicht sind es die Hormone? Ich hoffe es. Meine Gefühle fahren Achterbahn, ich hab zwischendurch richtig schlechte Laune und schäme mich dann, weil ich vor lauter Erschöpfung so bin, wie ich eigentlich nicht sein will. Die Ungeduld ist gerade wieder meine größte Herausforderung. Obwohl ich wenig Kraft habe und es am besten ist, wenn wir irgendwo rumliegen, Hörbücher hören, Bücher anschauen oder puzzeln – will ich ständig etwas tun. Ausmisten ist gerade meine größte Freude und gleichzeitig ist es meine größte Anstregung.

Wann werde ich es lernen? Anzunehmen, dass es verschiedene Phasen im Leben gibt, in denen man unterschiedlich viel Energie hat und dass diese Phase jetzt, die Schwangerschaft und das Kümmern um die beiden Kinder, die schon da sind, meine größte Aufgabe ist. Wenn noch etwas zusätzlich geht ist das echt gut und ich kann dankbar sein und wenn nicht…dann ist das doch auch irgendwie normal oder? Und doch macht mir gerade so manches Sorgen oder schlechte Laune. Und auch das wird so sein: Eine Phase, die vergeht, auf die ich später zurück schaue und mich frage, was eigentlich los war mit mir. Der Nestbautrieb setzt dieses Mal schon sehr früh ein und ich würde am liebsten heute schon alles erledigen. Würde gerne schon wissen, wer unser neuer Mitbewohner oder Mitbewohnerin wird. Würde gerne schon sehen, wo alles hinführt.

Letzte Woche habe ich meine vorerst vorletzte Predigt gehalten und durfte über Gottes Liebe sprechen. Die Predigt tat vielen gut und mehr und mehr merke ich, ich sollte glauben, was ich da erzählt habe. Ich bin auch gemeint. Nicht nur die anderen. Ich bin auch geliebt, genug, gesehen.

Ich darf heute schlechte Laune haben, aber ich darf morgen auch sagen: Das war gestern, heute ist ein neuer Tag. Vielleicht gehe ich mir später noch Blumen kaufen, esse ein großes Stück Schokolade und warte bis die Kinder merken, dass die Mittagspause im Zimmer heute irgendwie sehr lange dauert.

Diese Launen sind momentan teil unseres Lebens und es tut mir oft Leid, dass andere mit darunter leiden. Und gleichzeitig weiß ich, dass ich mich auch nicht die ganze Zeit einschränken, zurücknehmen und unterdrücken darf. Es braucht Raum, es muss raus und ich bin gespannt darauf, wenn ich kapiert habe, was diese Phase gerade mir bringt.

Habt einen schönen Tag, gönnt euch Schokolade oder einen Wutschrei. Alles ist möglich.

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