Ich liebe Blumen, Pflanzen, wenn etwas wächst und gedeiht und ich eventuell etwas dazu beigetragen haben. Mittlerweile habe ich auch eine gewisse Liebe zum Gärtnern entwickelt, was aber glaube ich hauptsächlich daran liegt, dass meine Mama ihren grünen Daumen auch bei unseren Pflanzen zuhause anwendet. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wenn ich die Pflanzen durch den Winter bekomme und sie dann im Frühling wieder zu neuer Schönheit erwachen. Wundersam und einzigartig.
Kennt ihr diese Kugeln? Man nennt sie Seedballs und die Idee dahinter ist, dass man sie, wo man geht und steht auf die Erde fallen lassen kann und somit tristen Ecken in der Stadt oder im Dorf Schönheit einhauchen kann. Man wirft sie einfach nur hin und kümmert sich nicht weiter darum. Der nächste Regen wird den Lehm und die Erde um die Samen lockern, sie können sich in der Erde ausbreiten und anwachsen. Das Einzige, was man noch tun kann, ist diese Stelle immer mal wieder zu besuchen und zu schauen, was sich aus der kleinen braunen Kugel entwickelt hat. Eventuell kann dann auch etwas geerntet werden.
Der heutige Predigttext steht in Markus 2, Verse 26-29
Das Gleichnis vom Wachsen der Saat
26Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. 28Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
Lutherbibel 2017
Die Frage ist nur wie funktioniert das heute? Wie gelingt uns dieses Ausstreuen? Woher bekommen wir die Samen und wie finden wir die fruchtbare Erde?
Ich will euch in drei Punkten eine kleine, ermutigende Anregung geben, wie ihr dieses Gleichnis auch heute noch wahrwerden lassen und erleben könnt.
- Woher kommen die Samen?
Ich hatte gerade eine Phase, in der es mir unendlich schwer fiel in der Bibel zu lesen. Es war nicht etwa Desinteresse und es gab auch keine Zweifel. Ich hatte schlicht meine Prioritäten nicht bewusst gesetzt und so den Bezug zur Bibellese verloren. Ich habe im Gottesdienst aufgetankt, wenn jemand anderes für mich vorgedacht und es mir wiedergeben hat. Und selbst da war ich danach manchmal nicht sicher, ob ich jetzt irgendwas kapiert habe. Ein Notizbuch hilft mir seit kurzem, die Gedanken der Predigt festzuhalten, die ich behalten will, vor allem schreibe ich mir die auf, an denen ich mich störe, oder wo ich dem Prediger nicht oder nur schwer zustimmen kann.
Auch die Entscheidung wieder Teil eines Hauskreises zu sein, nach fast zwei Jahren Pause ist für mich eine Annäherung daran, dass ich diese Samen sammeln kann, die ich dann weitergeben möchte oder auch anders gesprochen, damit ich von anderen etwas empfange, dass bei mir Frucht bringt und mich geistlich wachsen lässt. Glaube ist ein Beziehungsgeschehen und für mich persönlich nicht ohne Interaktion mit anderen Gläubigen möglich. Samen des Glaubens können wir in unseren Gemeinden zum Glück an vielen Stellen sammeln und empfangen, aber auch außerhalb der Gemeinde gibt es diese Momente und wir können uns ganz bewusst darauf ausrichten zu wachsen und zu gedeihen und uns nicht in den Schatten stellen, sondern ins Licht.
- Wo streue ich sie am besten hin? Wo fällt der Samen bei mir auf gute Erde?
Zunächst einmal musste ich an meiner Haltung arbeiten, um überhaupt wieder etwas zu empfangen. Ich bin gerade wieder öfter in Situationen, in denen ich Erkenntnisse oder Erfahrungen weitergeben kann, nur funktioniert das schwer, wenn man nichts empfängt oder zu müde ist. Ich brauche Raum und die Entscheidung empfangen zu wollen und manchmal auch einen anderen Menschen, der bei mir dranbleibt. Ich denke oft, dass ich Bibelstudium betreiben muss, um andere Menschen zu erreichen und ihnen Gottes Wahrheiten weiterzugeben, aber ich darf bei mir anfangen. Ich darf mein Herz aufräumen und diesen zarten Pflänzchen beim Wachsen zusehen. Darf andere daran teilhaben lassen und mich nicht davor fürchten, dass ich vielleicht schon weiter sein müsste. Es bringt nichts, ich bin nicht weiter. Ich stehe hier, an diesem Punkt und habe wieder mal erlebt, dass ich umkehren darf, dass ich zurückkommen darf und ich wieder empfange, was ich mir gar nicht verdienen kann. Alles Gnade. Die Frucht wächst wie von selbst, ich kann nichts dazutun, aber ich kann streuen was ich selbst empfing.
Und das ist es auch, wofür ich lebe. Nicht nur bei mir selbst zarten Pflanzen meines Glaubens und meiner geistlichen Reife beim Wachsen zuschauen, sondern auch bei anderen.
Dazu braucht es Begegnung und Mut. Ich habe es schon oft versäumt und gescheut anderen von meinem Glauben und meinen Überzeugungen zu erzählen und ich bin sehr dankbar, dass Gott da so nachsichtig mit mir ist und es kein „zu spät“ oder „jetzt nicht mehr“ gibt.
Ich will aufmerksam sein für Menschen in meinem Umfeld, die noch nicht so viel empfangen haben, wo aber eine Neugierde oder ein Interesse schlummern, das empfänglich ist für das, was Gott bereit hält für ihr Leben. Ich will nicht warten, bis sie selbst draufkommen, sondern will sie einladen, ermutigen und begleiten auf ihrem Weg. Ich will da streuen, wo Gott mich hinstellt. Im Alltag, am Sonntag, im Urlaub, auf einem Konzert. Wir können das. Gott gibt uns, was es braucht, er möchte von uns nur den ersten Schritt.
- Wie kann ich mit der Ernte umgehen?
Und dann die Ernte. Wie gehe ich mit der Frucht so einer langsam und zart gewachsenen Pflanze um? Abreißen und ins Wasser stellen? Nein. Am sinnvollsten ist es, dem ganz natürlichen Vorgang seinen Lauf zu lassen. Die Frucht bringt neue Samen, fällt wieder auf die Erde. Ihr wisst wie sowas funktioniert. Es ist ein Bild, das uns Ermutigung und Vorbild sein möchte für etwas, das in unserem Leben passieren kann. Woran wir Anteil haben können, wenn wir uns auf diesen Prozess einlassen. Es gibt einen der dazu gibt, was es braucht, um zu wachsen und zu gedeihen. Der uns reiche Ernte und Frucht schenkt, ganz ohne unsere Anstrengung. Wir dürfen Anteil haben an diesem Wunder. Sind Teil des Prozesses und Zeuge der Ergebnisse. Bei uns und denen, die wir auch gesehen und vielleicht stellenweise begleitet haben.
Gott gibt zu unserem Tun den Segen dazu, das Gelingen. Mehr können wir nicht machen. Aber wir können etwas machen. Wir können Seedballs streuen, wo wir gehen und stehen. Wir können seine Gute Nachricht weitergeben, an jeden Menschen, dem wir begegnen oder probeweise mal an einen unserer Nächsten. Und wir dürfen Staunen, über die zarte Pflanze unserer geistlichen Reife, wie sie wächst und gedeiht und schließlich in der Ernte geistlicher Reife gipfelt.
Zum Abschluss dieser Predigt möchte ich euch noch ein Zitat mitgeben, das mir vor kurzem ein Freund und Kollege geschickt hat.
Gloria Dei homo vivens. – Der Ruhm Gottes ist der lebendige Mensch.
Amen
Diese Predigt habe ich gestern in meiner alten Gemeinde in Hagsfeld gehalten, in der ich sieben Jahre beruflich tätig war. Es war schön, mal wieder dort zu sein. So viele wertvolle Beziehungen und Bindungen. Heute bin ich sehr dankbar.