Glaube im Alltag, Tiefgang

Heimat geschenkt – Heimat schenken

Ich kann mich noch gut erinnern. Dieses Gefühl, wenn meine Familie und ich früher vom Urlaub nach Hause gekommen sind und ich, nach dem Öffnen der Wohnungstür, diesen unvergleichlichen Geruch riechen konnte. Heimat. Ein tiefer Atemzug und eine Welle von Geborgenheit, Glück und Wärme umströmten mich. Egal wie schön der Urlaub war, hier war mein Zuhause.

Als Kind war das der Inbegriff von Heimat für mich. Dieser Ort. Meine Eltern. Meine Schwester. Wir gemeinsam.

Als erwachsene Frau, Mutter zweier Kinder, Ehefrau und nach vielen Jahren, die ich schon nicht mehr zuhause wohne, habe ich es immer noch nicht geschafft, dieses Gefühl zu haben, wenn ich in unser jetziges Zuhause komme.

Es ist ein so viel tieferes Gefühl und kann nicht erzeugt werden. Meine heutigen Assoziationen mit Heimat basieren auf einer viel grundlegenderen Tatsache. Ich bin Teil einer Familie, die meine Heimat bedeutet. Meine kleine Familie, wir vier. Meine Großfamilie, meine Freunde, meine christliche Familie. All diese Menschen können mir das Gefühl von Heimat geben. Nicht länger sind es nur Orte und waren es wahrscheinlich auch nie.

Heimat ist durch meine Kindheitserfahrungen in gewisser Weise mit dem Urvertrauen meinen Eltern gegenüber verbunden und wahrscheinlich werde ich deshalb nie das Gleiche empfinden, wenn ich bei uns in die Wohnung komme. Und trotzdem ist auch hier meine Heimat. Oder zumindest ein Teil davon.

Es gibt viele Orte, an denen ich Prägendes erlebt habe, die sich immer wieder nach Heimat anfühlen, sehr vertraut und sicher. Dazu gehört zum Beispiel das Lebenshaus. Schon wenn ich durch den Torbogen gehe, fallen mir all die Dinge ein, die Gott hier mit mir angefangen hat. Mit mir und meinem Mann.

Ein anderer Ort ist der Schlossberg in Freiburg, der mir während meines Studiums immer wieder Zuflucht war, wenn ich schreckliche Sehnsucht nach Zuhause hatte.

Heimat ist für mich die Summe der Erinnerungen, die mich haben reifen lassen und zu der Frau gemacht haben, die ich heute bin. Ohne mich zu verurteilen oder im Stich zu lassen. Heimat bedeutet mich bedingungslos angenommen zu sein und sein können wie ich bin. Wenn ich barfuß laufe und ein Mittagsschläfchen halten kann, weiß ich, hier ist ein Stück Heimat für mich.

Und noch viel grundlegender als alles, was ich bisher schrieb, ist für mich die Präsenz von Gott in meinem Leben. Die ermöglicht, dass ich mich an unfassbar vielen Orten verbunden fühlen kann. Niemals allein zu sein ist für mich Heimat und das erlebe ich durch meinen Glauben jeden Tag.

Wenn mich heute jemand fragen würde, wo meine Heimat ist, würde ich wahrscheinlich zuerst sagen in Karlsruhe. Aber dann auch schnell so Dinge wie: im CVJM, in der LKG, im Kraftwerk+, bei meiner Familie, meinen Freunden. Und, je länger ich darüber nachdenke ist Heimat für mich soviel mehr ein Gefühl als ein Ort. So viel mehr Zugehörigkeit als Sichtbarkeit.

Zu meinen Gaben gehört die Gastfreundschaft und für mich ist es das Größte, wenn Menschen in unsere Wohnung kommen, die Schuhe ausziehen und sich einen Kaffee machen. Kinder, die sofort ins Kinderzimmer abbiegen und sich sichtbar wohl fühlen. Heimat schenken. Das will ich, jeden Tag. Meinen Nachbarn, Freunden, und meiner Familie. Und Heimat schenken kann ich nur, weil ich weiß, wer meine Heimat ist.

Meinen Glauben als Heimat zu bezeichnen, fällt mir nicht schwer und doch muss ich zugeben, dass er es über die Jahre erst wurde. Eine lebendige Beziehung zu Jesus zu führen, lässt mich Einsamkeit nicht einsam empfinden und gibt mir die Möglichkeit, mich an vielen Orten heimisch zu fühlen. Es ist nicht ein Ort, der mein Herz zur Ruhe kommen lässt, sondern die Tiefe Gewissheit, zu Gott zu gehören.

Erschienen in den Streiflichtern des CVJM Baden 04/2023

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