Die Predigt von gestern hängt in mir fest. Es ging um Verheißungen für unser Leben und darum, wie ungeduldig wir manchmal sind, wenn wir denken, sie müssten sich jetzt endlich mal erfüllen. Wenn wir sie überhaupt kennen. Denn oft sind es nur unsere eigenen Wünsche und Vorstellungen für unser Leben, die uns beschäftigen und die vielleicht manchmal auch abweichen von dem, was Gott für uns bereit hält und vorbereitet hat.
Ich fühle mich ertappt bei der Frage ob ich sehe, wo ich einmal stehen werde? Wo es hingeht mit meinem Leben und wo der tiefere Sinn meines Daseins liegt. Das war ganz schön harter Tobak und heute, am Todestag meiner geliebten Omi, spüre ich noch mehr, wie mich diese Fragen umtreiben und wie ich nach Antworten suche.
Wo werde ich einmal stehen, bei wem in Erinnerung bleiben? Wen prägen und begleiten?
Meine Omi war so eine tolle Frau. Herzlich und auch sehr direkt. Liebevoll, zugewandt und immer ansprechbar. Ich kann mich an so viele besondere Ausflüge und Erlebnisse mit ihr erinnern wie, wie mit kaum einem anderen nahen Verwandten. Nie war ihr etwas zuviel, zumindest hat sie uns Enkelkinder das nicht spüren lassen. Sie war Teil unseres Lebens, der Mittelpunkt der Großfamilie. Witzig und großherzig. Vielleicht lag es ihr im Blut, vielleicht war es aber auch eine ganz bewusste Entscheidung, keine Randfigur in unseren Leben zu sein, sondern selbst Akteurin. Egal ob Theateraufführung, Musikvorspiel, Sportevent, Geburtstage ihrer Enkel und Kinder. Sie war da, saß in der ersten Reihe. War unser größter Fan und unsere Unterstützerin. Woher sie die Zeit nahm bei fünf Kindern und etlichen Enkeln bleibt mir für immer ein Rätsel. Denn sie war auch Geschäftsfrau, Ehefrau, Freundin und eine hervorragende Gastgeberin.
Sie ist jetzt 15 Jahre nicht mehr bei uns. Und jedes Jahr spüren wir die Lücke, die sie hinterließ und gleichzeitig, dass so viel von ihr in jedem von uns weiter lebt. Weil sie sich uns gezeigt hat.
Das wünsche ich mir. Ich möchte auch im hohen Alter Teil meiner Familie bleiben und mit gestalten. So Gott will.
Ich habe viele Ideen und nicht bei allen weiß ich, woher sie kommen und dem möchte ich wieder mehr auf die Spur kommen. Ich wünsche mir eine große Familie, aber wie wird sie aussehen?
Ich habe nach der Lesung das Gefühl auf einem guten Weg zu sein. Was auch immer sich daraus entwickelt. Ich kann schreiben und trotzdem für die Kinder das sein. Aber sehe ich mich vor eher 50 Leuten sprechen oder vor mehr? Ich weiß es nicht.
Ende des Monats habe ich meine Stille Zeit. Das ganze Jahr stand es auf meiner Liste und jetzt endlich habe ich mich darum gekümmert und es war ganz leicht. Drei Nächte alleine. In meiner Lieblingsstadt. Stille, Natur, Bewegung in meinem Tempo, in Ruhe essen und Freunde sehen.
Vielleicht gibt es eine sternenklare Nacht und ich darf, wie Abrahams damals einen Blick auf meinen Sternenhimmel erhaschen. Auf meine ganz persönliche Verheißung. Vielleicht ist mein Kopf dann ruhig genug, dass mein Herz Gott versteht.
Ich bin voller Erwartungen, Spannung und Vorfreude, aber auch geduldig und ruhig. Denn bei all meiner Anstrengung kommt es letztlich nur auf eins an: mein tiefes Vertrauen und mein Glaube darin, dass Gott mich sieht und sein Wort gilt. Für mein Leben und das meiner Familie zu sorgen, in unendlicher Liebe und Gnade.
Heute Abend werde ich malen… einen Sternenhimmel mit unendlich vielen Sternen…