Alltag als Mama, Glaube im Alltag

Unerwartet erwartungsvoll

Wie ist das bei dir so? Manchmal wünschte ich, andere würden in mir lesen können, wie in einem Buch, was ich gerade bräuchte oder mir wünsche. Wobei, wenn ich eine Sekunde länger drüber nachdenke will ich das eigentlich doch nicht. Ich wäre gerne im Stande meine eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren, damit mein Gegenüber reagieren kann. Ich will nicht am Ende meines Lebens unzufrieden sein, weil keiner gemerkt hat, was ich eigentlich gerne gehabt hätte. Wo ich doch selbst oft nicht genau weiß, was ich eigentlich will.

Wir sind aus einer Woche Familienurlaub zurück und wo viele Menschen miteinander zusammen sind, treffen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Jeder macht ja ein bisschen anders Urlaub normalerweise und plötzlich müssen die Bedürfnisse von mehr als zehn Menschen berücksichtigt werden. Nicht immer einfach. Sicher nicht immer gelungen. Und doch etwas ganz Besonderes jedes Jahr.

Wenn ich aus solchen intensiven Gruppenzeiten komme, refkletiere ich oft sehr viel. Zum Beispiel eben wie ich mit Erwartungen umgehe, meinen eigenen und denen der anderen. Wie mit Unausgesprochenem umgehen, mit Vermutetem und immer Dagewesenem?

Mein Mann ist da ein sehr guter Lehrer. Er erinnert mich immer wieder daran, dass ich in allererster Linie für mich selbst verantwortlich bin. Und so ist das auch mit jedem anderen Menschen. Wir sind selbst dafür verantwortlich, ob wir zufrieden, glücklich und voller Freude unser Leben fristen oder uns mit klagen, leiden und pessimistischen Gedanken beschäftigen.

Und doch, ich komme nicht umhin mich immer wieder zu fragen, ob es nicht anders sein könnte? Oft traue ich mich dann nicht nachzufragen, weil ich Angst habe, der andere könnte durch meine Frage verletzt sein. Manchmal bin ich selbst mit meiner Laune oder meinen Kindern beschäftigt.

Und das geht mir nicht nur im Familienurlaub so sondern auch in allen möglichen anderen Situationen in der Gemeinde, der Kita oder im Freundeskreis. Das Leben des anderen beschäftigt mich und ich bin gut darin mir Dinge auszudenken oder anzunehmen. Das will ich ablegen. Ich will nachfragen, zugewandt und nicht verurteilend sein und hoffe, dass ich als die sensible, aufmerksame Jasmin wahrgenommen werde, die ich bin.

Ich will nichts erwarten, was mir nicht zusteht. Denn kein anderer ist dafür verantwortlich, dass ich zufrieden bin. Nur ich. Ich will mich nicht ärgern oder urteilen, denn mein Gegenüber hat seine eigenen Kämpfe. Ich will nicht alles annehmen, was der andere zu mir sagt, sondern auch meine Beobachtungen wertschätzend und hoffentlich wertfrei zum Ausdruck bringen. Will üben zu hören, was gesagt wird und nicht was eventuell gemeint sein könnte. Will nachfragen wenn ich unsicher bin und mich freuen, wenn ich völlig unerwartet entlastet und unterstützt werde, ohne darum gebeten zu haben. Denn das passiert auch oft und dafür bin ich sehr dankbar.

Es ist nicht die Frage, was ich von anderen erwarte, sondern was ich zu geben bereit bin, wenn mein Gegenüber sich nicht ausdrücken kann. Ich will meine Kräfte einteilen, für die Bedürfnisse meiner Kinder und derer, die um mich sind. Ich will niemanden ändern, aber verstehen. Und das wird mir immer deutlicher, dazu gehört es, zu fragen und dann genau zuzuhören. Nicht immer habe ich dafür Kraft, aber wenn ich sie habe, will ich es versuchen und möchte mich überraschen lassen. Denn ich bin mir sicher, dass darin der eigentliche Schlüssel liegt uns besser zu verstehen und wenn ich mir etwas wünschen darf, dann das mein Gegenüber mir mit der gleichen Offenheit begegnet und sich für mich interessiert. Nicht als Mama, nicht als Ehefrau, nicht als Diakonin, als Jasmin, die das alles ist und doch noch mehr. So wie jeder von uns.

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